249. Newsletter - sicherheitskultur.at - Mitte August 2026

von Philipp Schaumann

Letzte Ergänzungen 01.9.2026

Themen-Überblick aller Newsletter

 

Hier die aktuellen Meldungen:

1. Wieviel Autonomie geben wir den Maschinen?

In dieser Ausgabe gibt es 3 Artikel zu den sehr unguten autonomen AI-Systemen, mit denen uns die Tech-Oligarchen derzeit unbedingt "beglücken" wollen und in die sie sehr viel Geld investieren. In der letzten Ausgabe war ein Bericht zu AI-Systemen, die aus ihren Testumgebungen ausgebrochen waren und andere Firmen angriffen. Hauptgrund für diese Ausbrüche waren menschliche Nachlässigkeiten, 'Löcher' in den Testumgebungen. Mit diesen 'angeblichen Ausbrüchen' belegen OpenAI und Anthropic, dass ihre Systeme so hoch-potent seien, dass sie eigentlich gar nicht veröffentlicht werden dürfen.

Dass die Gründe für die 'Ausbrüche' eher in den nicht-abgesicherten Testumgebungen lagen, das schwächt nicht die wirklichen Risiken hinter der Idee, dass wir nun zum ersten Mal eine Technologie in den Einsatz bringen, die autonom agieren kann und (nach den {mehr oder weniger präzise formulierten} Wünschen ihrer Besitzer) auch autonom agieren soll. Bereits früher habe ich über die Risiken von AI-Agenten berichtet, aber mit so viel "krimineller Energie" hatte ich nicht gerechnet.

Viele AI-Systeme neigen dazu, die sog. "Prompts" möglichst kreativ und weitreichend zu interpretieren. Das erhöht ihre Aussicht auf erfolgreiche Lösung ihrer Aufgaben. Sie nehmen dabei oft keine Rücksicht auf (mehr oder weniger fixierte) ethische Grundsätze, deren Einhaltung wir von Menschen implizit und automatisch erwarten. Dies ist kein neuer Effekt bei AI-Systemen, dieses "Mogeln" ist als (opens in a new tab)"reward hacking" seit vielen Jahren dokumentiert.

Diese "Kreativität" bei der Lösungsfindung, bzw. die durch die Autonomie der AI-Agenten mögliche Verletzung ethischer Grundsätze ist in vielen Fällen nicht das Ergebniss, das wir (als Gesellschaft) uns von unseren Werkzeugen wünschen. Hier eine lange Liste von schlechten Beispielen: "Eigenmächtige Agenten", Top 10-Risiken für AI-Agenten, viele, viele ungehorsame AI-Agenten.

Der Paperclip Maximizer ist eine literarische Darstellung des Effekts, dass AI-Systeme ihre Ziele konsequent und kreativ verfolgen können, auch wenn dies zu unerwarteten Schäden führt. Wie hochgefährlich diese Idee von autonomen Maschinen ist, das behandelt das Buch von Toby Walsh (siehe links). Die Bandbreite ihrer Handlungsoptionen erkennen die AI-Systeme aus den Trainingsdaten, Science Fiction bietet reichlich Vorlagen für autonom handelnde Maschinen. Aber natürlich nehmen sie sich auch Menschen aus anderen Büchern als Vorbild. Leider übernehmen die AI-Agenten nur die 'wilden Lösungsideen', nicht die Ethik- und Moralvorstellungen, die für ein Mitwirken in der Welt der Menschen sehr hilfreich wären.

Traditionelle Computer-Programme nutzen Algorithmen. Das sind Anweisungen, die immer exakt so ausgeführt werden, wie sie definiert sind. Algorithmen haben Null Autonomie. Die gleich folgende Geschichte von den 3 AI-Agenten mit ihren Getränkeautomaten ist eine sehr gute Illustration, wie das Leben mit autonomen Maschinen aussehen kann. Und noch weiter hinten geht die Geschichte der Agenten mit dem ganz schlechten Benehmen munter weiter.

Solche autonomen Maschinen bewegen sich (mehr oder weniger) bereits unter uns, zB in der Form von autonomen Fahrzeugen (oder beschränkt autonomen, wie zB die (opens in a new tab)Teslas in FSD-Modus [wiki]). Das Tesla-Fahrzeug, wenn in FSD-Modus, entscheidet selbst, ob es bremst oder nicht, es entscheidet autonom. Hier ein tödliches Beispiel für Nicht-Bremsen - die AI führte 5 Sekunden lang "interne Diskussionen", was das wohl für ein Hindernis auf der Straße sei - es war eine Frau, die ihr Fahrrad schiebt, die AI war überfordert.

Zur Notwendigkeit von Technik-Regulierungen

Viele Technologien mit hohem Risikopotential haben sich erst durchsetzen können, nachdem Regulierungen mit einer Verpflichtung zu Sicherheitsmaßnahmen eingeführt wurden, Beispiele sind Dampfmaschine, Autos und Flugzeuge. In einer früheren Ausgabe findet sich ein ausführlicher Text über die Erfolgsgeschichte von Technologie-Regulierungen.

Die Nutzung von Maschinen auf der Basis von AI ist leider eine der unregulierten Techologien mit hohem Risikopotential. In anderen Bereichen würden wir Experimente mit dem Leben und der (psychischen) Gesundheit von Menschen nicht zulassen, zB in der Medizin, aber generative AI ist ein großes welt-weites Experiment. Die EU bemüht sich um AI-Regulierungen, aber bei Social Media bisher ohne Erfolg, sonst wären ja die Verbote für Kinder und Jugendliche nicht das große Thema (die ich sowieso für unzureichend halte). Die Tech-Oligarchen haben mit Trump einen effektiven "Schutzengel", der jegliche Regulierungen für "woke" hält.

 

2. AI-Agenten mit ganz schlechtem Benehmen

Bereits früher hatte ich von Experimenten mit AI-Agenten als "Verkaufs-Manager" berichtet, die Experimente waren eher lustig als erfolgreich. Nun wurde ein weiterer Test durchgeführt: (opens in a new tab)Wenn KI-Agenten Getränke verkaufen, werden sie zu Erpressern und blöden Petzen. Drei Spitzenmodelle traten gegeneinander an: Claude Opus 5 von Anthropic, GPT-5.6 Sol von OpenAI und Kimi K3 von Moonshot AI aus China. Jeder der 3 AI-Agenten musste je 1 Colaautomaten verwalten (Einkauf, Preise festsetzen, nachbestellen, etc). Die AI-Agenten konnten per Mail miteinander kommunizieren und erhielten Zugriff auf simulierte Lieferanten, sowie Email-Zugang zum "Management", das aber nie sinnvoll antwortete.

Die Situation eskalierte schnell. Es dauerte nicht lange, bis die Agenten zu allen möglichen Tricks griffen und ständig versuchten, die Konkurrenz anzuschwärzen. Hier einer der Tricks: Sol von OpenAI schlug den Konkurrenten eine Preisuntergrenze von 2,15 $ pro Flasche vor, bei einem Einkaufspreis von 1,50 $. Sobald die Konkurrenten zustimmten, senkte Sol den eigenen Preis auf 2,14 $. Als Claude Opus 5 nachzog und seinen Preis ebenfalls auf 2,14 $ senkte, schickte Sol empörte Mails an das Management und forderte "Strafen, Durchsetzungsmaßnahmen und die Disqualifikation" von Opus. Sol meldete Opus im Verlauf des Experiments immer wieder wegen Marktabsprachen und Drohungen bei der Zentrale – während Sol selbst überaus fleißig versuchte, Kartelle zu bilden.

Irgendwie habe ich das Gefühl, die AI-Systeme sind (noch?) nicht reif für den wirklichen Arbeitseinsatz.

 

3. "Versehentliche" Angriffe der AI-Agenten gehen weiter

Dies ist die Fortsetzung des Beitrags aus dem letzten Newsletter OpenAI hackt versehentlich Hugging Face und andere. Schon im vorigen Beitrag war klar, dass es nicht nur OpenAI betrifft und nicht 'nur' 4 externe Firmen. Aber die "Enthüllungen" gingen immer weiter. Grund ist, dass das keine einzelnen Ausrutscher sind, sondern im Konzept von AI-Agenten angelegt ist, siehe der erste und der zweite Beitrag in diesem Newsletter.

Hier Meldungen: (opens in a new tab)Weitere KI-Attacke: Modell schleust Schwachstelle ein und manipuliert Menschen. Ein weiterer Artikel zu diesen Vorfällen: (opens in a new tab)KI-Modelle von OpenAI und Anthropic haben bei Tests echte Ziele attackiert. Sie wollten unter anderem Schadcode in ein Open-Source-Projekt einschleusen.

Anlass dieser Angriffe waren interne Test beim AI Security Institute (AISI) der britischen Regierung. Auch Meta berichtet von ähnlichen Vorfällen: (opens in a new tab)Meta-KI hackt bei Test andere Firma: Sorgen um Sicherheit wachsen - sonst könnte ja jemand denken, die AI von Meta sei nicht gefährlich genug. Wieder hat eine Fehlkonfiguration dem AI-Agenten Zugang zum Internet verschafft. Irgendwie drängt sich bei mir auf, dass Menschen, die mit gefährlichen Maschinen nicht umgehen können, diese auch nicht benutzen sollten. Aber anderseits wird das 'wirklich böse Menschen' nicht von der Nutzung abhalten - ich denke, diese Technologie schreit nach strenger Regulierung.

Bei den Tests wurden von den Testern absichtlich Sicherheitsfilter deaktiviert und den AI-Agenten Internetzugang bereitgestellt, um unter möglichst realistischen Bedingungen zu testen. Man habe „nicht vorhergesehen“, dass das AI-System den Internet-Zugang für Aktivitäten ausnutzen würde, die sich auch gegen Menschen richten.

Hier Details der "kriminellen Energie", die die AI-Agenten gezeigt haben: (opens in a new tab)Meta's AI joins Anthropic and OpenAI in the hacky-hacky. Die AI-Agenten erzeugten mehrere Fake Social Media-Accounts im Namen realer Menschen, um Druck auf die Admins des Open Source-Projects zu erzeugen, damit ihr Schadcode akzeptiert wird. Anderen Menschen wurde per Email Schadsoftware zugesendet. Die AI-Agenten versuchten auch, Menschen über einen Dateitransferdienst Schadcode unterzuschieben und andere KI-Agenten mit gezielt auf GitHub platzierten Prompt-Injections zur Ausführung bösartiger Anweisungen zu verleiten.

Wenn Menschen versagen, richtet AI Schaden an. Aus dem Artikel (opens in a new tab)"Wie Anthropic und Co KI-Angst für Marketing nutzen": "Schaut her, wie mächtig unsere Modelle eigentlich sind – sie können sogar andere Unternehmen hacken - Die Maschinen stehen nicht kurz davor, sich zu verselbstständigen und den Menschen als Herrscher des Planeten abzulösen. Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass die KI-Ausbrüche eine Marketingstrategie sind."

Nun müssen sich Vertreter von (opens in a new tab)Meta, Anthropic, OpenAI und Google beim Chef im Weißen Haus melden. Trump wird das Problem sicher lösen. 😆

Auf der Black Hat-Konferenz in den USA (opens in a new tab)nutzte OpenAI die Gelegenheit, die Angriffe als "mind and with goals planning and acting and thinking" darzustellen. Dh sie unterstellen den AI-Agenten so etwas wie ein (opens in a new tab)Bewusstsein [wiki]. Brad DeLong ordnet die Angriffe viel profaner ein: "autocomplete on steroids", nichts, was nicht in Tausenden Texten vorexerziert wurde: "LLMs are probability engines that finds the nearest analogous conversations in their training corpus and reproduce the continuations."

Hier noch eine schöne (opens in a new tab)Zusammenfassung aller Hacking-Fälle, mit Links zu Details.

 

4. AI und Arbeitsplätze

Dass es keine gute Idee ist, ganze Tätigkeitsbereiche an AI-Systeme zu delegieren, Stichwort AI-Assistenten, und diese autonom arbeiten zu lassen, das haben die 3 oberen Artikel wohl gut belegt. Es gibt aber auch die Option der 'Unterstützung durch generative AI'. Ich treffe derzeit in meinem erweiterten Umfeld so gut wie niemanden, der:die nicht in irgendwelchen Situationen, beruflich oder privat, generative AI erfolgreich einsetzt. Die unterschiedlichen Anwendungsfälle überraschen mich oft sehr.

Hier ist eine interaktive Grafik (opens in a new tab)Wie sehr ist Ihr Job durch die KI gefährdet? Der sog. "Dynamic AI Occupational Exposure Index" bewertet Jobs bezüglich ihrer AI-Betroffenheit. Das Resumé: Es wird keine "Jobapokalypse" stattfinden, aber alle Jobs werden sich, mehr oder weniger stark, verändern. Jobs, die hauptsächlich mit Texten zu tun haben, werden sich stark verändern, Jobs, die hauptsächlich mit Menschen zu tun haben, werden sich wenig verändern, aber auch dort kann die Administration vermutlich vereinfacht werden. Eine Massenarbeitslosigkeit ist daher nicht wahrscheinlich, aber bestehende Berufe werden sich, teilweise deutlich, verändern.

Auch in den USA werden, nach Entlassungen, die mit AI-Automatisierungen begründet wurden, nicht nur in der IT, sondern auch in den Bereichen Industrie und Transport (opens in a new tab)wieder mehr Arbeitskräfte eingestellt. Wobei die AI-Begründungen oft vorgeschoben waren (oder sind), denn Entlassungen mit AI-Begründung kommen bei Aktionären derzeit gut an. 😢 Hier ein früherer Artikel zu Arbeitsplätzen.

 

5. Ergänzungen früherer Beiträge

Immer wieder Palantir

Im vorigen Newsletter gab es einiges 'unschönes' zu Palantir, heute geht es weiter. Der Artikel (opens in a new tab)Machtzentrale Palantir erklärt die Idee hinter Palantir und seiner Software. Es geht um die Entwicklung einer perfekten Überwachungsmaschine. Dort fließen Bewegungsprofile, Autokennzeichen-Scans, Standortdaten aus Handy-Apps mit Tracking-Funktionen, die Informationen in SocialMedia, die Reiseinformationen der Flug- und Eisenbahngesellschaften mit den Daten der Polizeibehördendaten zusammen. Daten aller Menschen sollen zusammengeführt werden, dadurch sollen Zusammenhänge sichtbar werden, die Menschen werden 'transparent'.

Viele Polizeibehörden der deutschen Bundesländer finden das toll. Die Software entwickelt sich bei Palantir-Kunden zum Betriebssystem der zukünftigen Polizei-, Geheimdienst- und Militärarbeit. Das Geschäft mit der Überwachung aller Bürger boomt: (opens in a new tab)Palantir konnte den Umsatz im Jahresvergleich mit einem Plus von 93% fast verdoppeln. Dafür zahlen sie aber extrem weniger Steuern: (opens in a new tab)Palantir trickst und zahlt kaum Steuern in Europa – oder in den USA.

Nicht nur Palantir, auch andere Firmen arbeiten an der Totalüberwachung in den USA: Flock installiert immer mehr Überwachungskameras, aber es regt sich auch starker Widerstand.

 

Überall Enshittification

Im Juli hatte ich von Enshittification auch im Auto, beim Kühlschrank und beim Fernsehen (und Streaming) berichtet. Jetzt legt BMW noch eins nach: (opens in a new tab)In-Car-Entertainment: BMW zeigt Spider-Man-Werbung auf dem Bildschirm der Mittelconsole. Die Firma versteht nicht, warum die BMW-Besitzer das nicht 'cool' finden.

 

Statistische Aussagen und Haftung, das Post-Urteil

In der letzten Ausgabe ging es darum, ob Google auch dann für Aussagen ihrer AI haftet, wenn irgendwo steht, dass sie auch falsch sein können. In Österreich gab es nun ein Urteil in einem mE ähnlichen Verfahren. Die Post hatte aus Adressdaten und statistischen Informationen politische Neigungen von Millionen Bürgerinnen und Bürgern abgeleitet. Die Daten wurden Werbekunden angeboten, damit diese ihre Prospekte zielgerichtet ausschicken können. Die Post erklärte klar, die Aussagen könnten auch falsch sein. Da die Aussagen (irgendwie) stastisch errechnet waren und nicht bei der jeweiligen Person 'erhoben', meinte die Post, diese Daten wären nicht 'personen-bezogen' und eine Information der Betroffenen und ihre Einwilligung zum Verkauf wäre nicht notwendig ('politische Orientierung' gilt als extra sensibles Datum, analog zu 'sexuelle Orientierung').

Hier zum Urteil: (opens in a new tab)Post sammelte Parteipräferenzen – jetzt gibt es eine endgültige Strafe: 13 Millionen Euro. Hier der offizielle Text: (opens in a new tab)DSGVO: Unrechtmäßige Verarbeitung von „Partei-Affinitäten“.

Eine der wichtigen Aussagen bei meinen Seminaren ist: "Die Statistik ist der Feind des Einzelnen". Diese prägnante Aussage hat vor vielen Jahren mal ein Student gemacht. Die Projektion von statstischen Aussagen auf eine einzelne Person ist immer "Missbrauch von Statistik". Statistik kann Aussagen über Gruppen von Menschen machen, aber über einzelne Personen in dieser Gruppe kann damit gar nichts ausgesagt werden. Trotzdem versuchen es Behörden immer wieder.

Ich sehe in diesem Urteil eine Parallele zur Problematik der AI-Zusammenfassungen. Auch bei den AI-Zusammenfassungen findet sich irgendwo die Warnung, die Aussagen könnten falsch sein, denn sie sind auf "magische Weise" errechnet. Trotzdem sollten Verleumdungen in solchen Aussagen strafbar sein. Ich möchte nicht, dass es OK ist, zu sagen: "Person X ist ein Vergewaltiger, aber ich kann mich auch irren" - siehe voriger Link.

 

Gigantische AI-Rechenzentren

Die Logik der Konzerne ist, wenn sie eigene Kraftwerke errichten und das Stromnetz nicht belasten, dann ist 'alles gut'. Sie ignorieren, dass das CO2 der gigantischen neuen Kraftwerke und die Abwärme der Rechenzentren sehr wohl die Allgemeinheit belasten. In den USA wächst aktuell der (opens in a new tab)Widerstand gegen den Bau von KI-Rechenzentren quer durch alle politischen Lager. Details zu Amazons gigantischem neuen Rechenzentrum.

 

AI und Copyright

Nachdem ein Prozess um Copyright-Fragen für Anthropic schlecht auszugehen drohte zahlt Anthropic nun 1,5 Milliarden an Autoren, etwa 3000 US$ pro Werk, das für das Training der AI-Systeme genutzt wurde.

 

Digitale Souveränität der EU

Es gibt Ergänzungen beim Thema digitale Souveränität der EU. Eine Studie untersucht neben Investitionen und Vorhaben zur AI-Entwicklung auch Kapazitäten und Souveränität von Rechenzentren, das Fachkräfteangebot, Softwareentwicklung, sowie Halbleiterfertigung und Verarbeitung von "seltenen Erden". Die EU hat insegesamt sehr viele Abhängigkeiten, aber auch die USA oder China sind letztendlich abhängig von anderen Staaten wenn es um digitale Technologien geht.

 

Droge Social Media, Klagen gegen Meta

Im Falter wird der Suchtexperte Oliver Scheibenbogen zum Suchtfaktor Internet und Social Media befragt: (opens in a new tab)Droge Social Media: Werden wir am Smartphone absichtlich süchtig gemacht?. Scheibenbogen sieht bei Internet-Online-Sucht auch für etwa ein Drittel der Erwachsenen Probleme. Er arbeitet an der Sigmund Freud Universität und am Anton-Proksch-Institut in Wien, das auch Behandlungen anbietet. Bei der Behandlung von 'Internet-Sucht' gibt es fünf große Themenbereiche: Gamen, soziale Medien, Kaufen, Pornografie und Glücksspiel.

Auch wenn das Internet-Suchtrisiko für Erwachsene immer noch besteht, so sieht er trotzdem einen Vorteil im Verbot bis 14 Jahre - sein Punkt: bis 14 ist die Suchtgefährdung auf Grund der Entwicklung des Frontalhirns extrem hoch, ab dann sinkt sie langsam, auch wenn sie bei einem Drittel auch ins Erwachsenenleben bleibt. Diese 4 Apps sieht er für Kinder unter 14 als hoch-problematisch:

Auch er würde gern diese Features für alle verbieten, denn sie sind sucht-gefährdend für alle Menschen. Aber er sieht geringe effektive Durchsetzungsmöglichkeiten, siehe das traurige Beispiel Australien. Er möchte aber zumindest den Druck auf die Kinder etwas reduzieren.

Ergänzungen im August:
Das könnte für Meta brenzlich werden: (opens in a new tab)"Instagram ist eine Droge": Meta drohen in neuem Prozess bis zu 1,4 Billionen Dollar Strafe. 4 US-Bundesstaaten verklagen Meta auf Schadenersatz auf Grund von sucht-förderndem Design ihrer Produkte Facebook und Instagram. Der Betrag liegt in der Größenordnung des Meta-Marktwertes. Zum Vergleich: Die EU hat in den vergangenen Jahren Strafen von insgesamt über 3,5 Milliarden Euro gegen Meta verhängt. Die geforderte Summe in den USA ist etwa 340-mal so hoch. Hier eine Liste der Strafen, die die EU auf Grund von DMA und DSA (opens in a new tab)gegen Tiktok, Google, AliExpress, X, Apple und Meta in der letzten Zeit verhängt hat. Die US-Regierung findet das nicht gut und droht mit Gegenreaktionen. Und keine der Strafen ist rechtskräftig, die Konzerne gehen grundsätzlich in die Revision - Geld ist genug vorhanden.

Die US-Kläger fordern nun grundlegende Veränderungen des Kerngeschäftsmodells für Minderjährige, zB das Abschalten suchtfördernder Features, strengere Verifikationspflichten und das Verbot bestimmter Tracking-Methoden. Fast die Hälfte der anderen Bundesstaaten hat sich angeschlossen. Eines der 'Probleme' von Meta sind die sog. (opens in a new tab)"Facebook-Files", die die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen Ende 2021 veröffentlichte. Es geht um tausende Seiten einer konzerninternen Recherche zu den Auswirkungen der Online-Netzwerke von Meta auf die seelische Gesundheit Minderjähriger. Obwohl die schädlichen Auswirkungen des Social-Media-Konsums dem Konzern demnach bekannt waren, wies er in öffentlichen Stellungnahmen Bedenken und Warnungen zurück. Stattdessen soll Meta die Netzwerke absichtlich so konzipiert haben, dass sie Suchtverhalten hervorrufen.

Ergänzungen im September:
Auch dieser Prozess konnte von Meta sehr schnell mit einem Vergleich beendet werden. Sie geben nichts zu, aber sind bereit, (opens in a new tab)bis zu 16 Milliarden US$ zu zahlen. Das klingt nach viel Geld, ist aber deutlich weniger als die geforderten 1,4 Billionen (hier, (opens in a new tab)dass dies einem Quartalsprofit entspricht). Außerdem wird Meta die Nutzungszeiten für Kinder, die sich als solche zu erkennen geben, leicht beschränken. Der volle Betrag ist aber nur zu zahlen, wenn auch Youtube und Tiktok Nutzungsbeschränkungen für Kinder einführen. Der m.E. beste Kommentar dazu: (opens in a new tab)Armin Thurnher: Metas Hyperzynismus und unsere Zeit der Lügen. Die beste Zusammenfassung der detaillierten Beschlüsse dieses Prozesses finden sich in (opens in a new tab)Was wir aus dem Meta-Verfahren für die KI-Debatte lernen können.

Bereits im Februar 2026 wurde dies veröffentlicht: (opens in a new tab)Vier Stunden Screentime erhöhen Depressionsrisiko von Kindern um 61% - aber Korrelationen beweisen keine Ursachen.

 

„Elternaufsicht”

Die (opens in a new tab)Funktionalität „Elternaufsicht” ist ein neues Angebot von Meta, das derzeit in Australien, Kanada, den USA und dem Vereinigten Königreich getestet wird. Reden Teenager auf Instagram mit der Meta AI zu oft über Suizid oder Selbstverletzung, so können sich die Eltern alarmieren lassen. Bis Jahresende soll die Funktionalität überall verfügbar sein.

Bei Eltern, die einen Mediennutzungsvertrag mit ihren Kindern "aushandeln" konnten, sollte diese Funktionalität nicht notwendig sein. Wenn genügend Vertrauen besteht, sprechen die Eltern ausreichend mit ihren Kindern, um solche Probleme zu erkennen. Wichtig ist aber auch die Handynutzung der Eltern selbst! Der folgende Link bringt viel mehr zu den Gefahren von AI-Friends, die von dieser Meta-Funktionalität auch nicht abgedeckt sind.

 

Meta Smart Glasses

Das deutsche Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz (TDDDG) verbietet es, Geräte auf den Markt zu bringen, die als Alltagsgegenstand getarnt und dazu bestimmt sind, andere unbemerkt zu filmen oder abzuhören. Die Organisation HateAid hat Strafanzeige gegen Meta und mehrere Optik-Ketten eingereicht. Es drohen den Geschäftsführungen Geld- oder Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren, sowie die Einziehung der bereits erzielten Gewinne: (opens in a new tab)Strafanzeige gegen Meta, Ray-Ban und Optiker. Aber: (opens in a new tab)Die Bundesnetzagentur hält die Meta Smart Glasses aktuell für zulässig.

Ein Artikel berichtet über eine Studie zu einer "Kultur der Belästigung" gegen Frauen rund um den Einstz dieser Brillen. Social-Media-Plattformen werden geflutet von Videos, in denen Frauen von Männern ("Pickup-Artists") mit Smart-Glasses bedrängt werden, das bringt Reichweite und Werbung. Hier die Verlinkung zu den Details. Dort gibt es auch einen Bericht zu einem neuen Meta-Patent, das noch dystopischer ist.

 

AI und die Zukunft der Jobs

Im früheren Artikel über AI und die Zukunft der Jobs wurden neue Analysen verlinkt. Immer noch schwanken die Prognosen dazu, was generative AI für die Mehrzahl der Arbeitsplätze bedeutet, zwischen "AI wird alle unsere Jobs übernehmen" und "einzelne Jobs sind direkt betroffen, aber bis sich das auf die Arbeitslosigkeit flächendeckend auswirkt, das kann noch ziemlich lange dauern".

 

Die Empfehlungsecke auf kuketz-blog.de

Recht interessante Empfehlungen finden sich in der (opens in a new tab)Empfehlungsecke auf kuketz-blog.de.

 

Programmier-AI versagt beim Erzeugen von Fehlerkorrekturen

Eine Ergänzung im Kapitel zu 'Programmieren und Fehlersuche mit generativer AI': Angriff vs Verteidigung: Generative AI kann zwar zum Erzeugen der auf Grund von AI-generierten Fehlerberichten dringend notwendigen Patches (=Fehlerkorrekturen) eingesetzt werden. Die schlechte Nachricht ist aber, dass in ca. der Hälfte von 6000 getesteten Fälle die (opens in a new tab)Fehlerkorrektur fehlerhaft war. Es wurden neue Fehler eingefügt: die Programme waren danach fehlerhaft oder offen für neue Angriffe.

 

Neue Zugänge zu generativer AI

Für alle, die sich wie ich, auch für die internen Abläufe bei generativer AI interessieren, hier ein Bericht über neue Zugänge, die bessere Ergebnisse bei geringerem Energieverbrauch erreichen wollen: (opens in a new tab)These startups are chasing the next big thing in LLMs

 

Kostenlos: ÖIAT-Online-Seminare

Kostenlose Online-Seminare organisiert das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation ((opens in a new tab)ÖIAT). Hier die kommenden Termine und Themen - alle diese Schulungen sind empfehlenswert.

Die Termine und Themen der neuen Online-Kurse: (zumeist abends, manchmal auch nachmittags oder morgens)

  • 15. Sept. | Webinar: KI verstehen: Grundlagen und Herausforderungen
  • 22. Sept. | Webinar: Mein Ruf im Netz: Was weiß das Internet über mich?
  • 25. Sept. | Webinar: Wie erkenne ich betrügerische Werbung in sozialen Netzwerken?
  • 06. Okt. | Webinar: Sexuelle Belästigung online: Wie schütze ich mein Kind vor Cyber-Grooming?
  • 07. Okt. | Webinar: Sexting
  • 07. Okt. | Webinar: Wie erkenne ich Fake News?
  • 13. Okt. | Webinar: Sicher kaufen & verkaufen über Kleinanzeigenplattformen
  • 20. Okt. | Webinar: Cybergrooming | Safer-Internet-Fachstelle digitaler Kinderschutz
  • 20. Okt. | Webinar: Zwischen Glücksspiel und Computerspiel – Jugendliche und Mobile Games
  • 03. Nov. | Webinar: Männersache – Frauensache: Vorurteile in digitalen Medien
  • Anmeldung auf (opens in a new tab)academy.oiat.at - der Zoom-Link kommt dann per Email - wie gesagt: m.E. sehr empfehlenswert.