255. Newsletter - sicherheitskultur.at - 29. Oktober 2026

von Philipp Schaumann

Letzte Ergänzungen 30.10.2026

Themen-Überblick aller Newsletter

 

Hier die aktuellen Meldungen:

1. Der PHP-Fehler als strukturelle Herausforderung

Der 22. Oktober brachte etwas Neues in der IT-Welt: Zum erstenmal ist eine so große Zahl von Webseiten freiwillig und prophylaktisch offline gegangen. Grund war die Ankündigung, dass es eine wichtige Aktualisierung der Web-Programmiersoftware PHP geben würde und dass mit zeitgleichen Angriffen gerechnet werden müsste. Betroffen von dem Problem waren rund 70% aller Webseiten. Viele wichtige Websites waren (teilweise ohne Ankündigung) ↑(opens in a new tab)im Internet nicht mehr erreichbar, teilweise bis zum nächsten Morgen. Man hört, dass Menschen, die sich darauf verlassen hatten, dass ihre Dateien ständig online erreichbar sind, nun ohne ihre Daten da standen, zB auch an den Universitäten.

Ein Problem ähnlicher Breitenwirkung war in 2022 Log4j. Die damalige Kritikalitätseinstufung war 10 von 10, diesmal war es 9,2 von 10, aber nun mit AI-Unterstützung für die Angreifer.

Bisher war der Ablauf bei der Fehlerbehebung von IT-Systemen typischerweise deutlich entspannter. Typischerweise wurden Sicherheits-Updates monatlich veröffentlicht und dann mehr oder weniger zügig in den folgenden 2 Wochen eingespielt. Dieser Ablauf wäre diesmal hochgefährlich gewesen, deswegen haben alle zuständigen System-Administratoren den späten Nachmittag und die Nacht, teilweise auch noch den nächsten Morgen spontan und ungeplant mit der Software-Aktualisierung verbracht.

Dabei hatte die IT-Welt diesmal erhebliches Glück, denn die Schwachstelle war ↑(opens in a new tab)bereits 2 Jahre vorher entdeckt worden und es gab ausreichend Zeit, sie zu analysieren und an der Fehlerbehebung zu arbeiten. Diese lange Zeit war auch notwendig, denn das Problem zog sich durch den gesamten Programmcode, es wurden insgesamt 389 Programm-Dateien geändert.

Solche unangekündigten Großabschaltungen werden vermutlich ab nun öfters passieren müssen. Bei vielen Firmen war es leider üblich, dass Geld für grundlegende und vorausschauende IT-Sicherheit nicht zur Verfügung stand, "weil eh noch nichts passiert ist, wer würde uns denn angreifen?" So eine Haltung wird immer gefährlicher und kann leicht existenz-bedrohend für Unternehmen sein.

Schuld an diesem "Fortschritt" sind die generativen AI-Systeme, die hier eine zweischneidige Rolle spielen. Sie können bestehende Programme auf mögliche Schwachstellen (dh Programmierfehler) absuchen und dann automatisiert sog. Exploits entwickeln, dh Angriffssoftware. Für die 'Verteidiger' können die generativen AI-Systeme natürlich auch Schwachstellen identifizieren und ihnen dann bei der Behebung helfen. Aufmerksame Nutzer merken diese ständig notwendigen Aktualisierungen zB an den mittlerweile mindestens wöchentlichen Aktualisierungen der Web-Browser.

Die große Frage bei diesem "Rennen" ist, wer schneller ist, die Verteidiger oder die Angreifer. Ein grundsätzlicher Vorteil für die Angreifer ist, dass sie nur 1 ausnutzbare Schwachstelle finden müssen, die Verteidiger müsse alle Schwachstellen ihrer Software finden und reparieren.

Die Angreifer haben noch einen Vorteil: Wenn sie 1 ausnützbare Schwachstelle haben, so können sie viele AI-Agenten parallel beauftragen, nach verwundbaren Websites zu suchen. Dies ist am 22. auch passiert, die Suche begann sogar einige Zeit vor der Veröffentichung der Fehlerbehebungen, offenbar gab es "undichte Stellen" bei den Beteiligten Organisationen.

Solche Vorfälle zeigen, wie sich die Entwicklung der generativen AI-Systeme zum Finden von Schwachstellen mit den Programmiersünden der Vergangenheit verbinden, in diesem Fall 20 Jahre in die Vergangenheit zurück. Bereits vor einigen Wochen hatte ich über Angriffswellen berichtet, bei denen es ohne Warnungen erhebliche Schäden gab (Stichwort: ↑(opens in a new tab)Kühlanlagen in Frankreich). Auch mit so etwas werden wir nun viel öfters rechnen müssen.

Eine stärkere Reglementierung der großen AI-Anbieter ist übrigens keine Lösung für die Probleme durch IT-Angriffe. Solche Angriffe benötigen die großen High-End-Systeme von OpenAI oder Anthropic gar nicht. Sie lassen sich heute auch mit privat finanzierbaren Rechnern und sog. Open Weight-Systemen dezentral durchführen.

Hier gibt es noch mehr Hintergrund: ↑(opens in a new tab)Wir stehen auf den Schultern vieler kleiner Giganten. Bianca Kastl schreibt über die Bedeutung von freiwilligen unbezahlten Open Source-Projekten für das Internet und die Herausforderungen für viele dieser für die IT-Welt unverzichtbaren Open Source-Projekte und wie weit viele dieser Projekt zurückreichen.

Auch der Name PHP („Personal Home Page Tools“) erinnert daran, dass diese Programmiersprache für die Entwicklung von privaten "Home Pages" zu Beginn der Internetzeit konzipiert war. Heute ist das kostenlose PHP die Basis der Wikipedia, Nextcloud, Wordpress, TYPO3, der IT-Infrastruktur vieler Universitäten und als Management-Web-Interface auch in vielen IT-Sicherheitsprodukten wie Firewalls enthalten. Und diese "Basis des Internets" lebt von Spenden. Ihr Geldmangel ist wohl einer der Gründe, warum Fehlerbehebung länger dauern kann, es gibt nur wenige bezahlte Mitarbeiter.

Die Ereignisse der vorigen Woche dürften noch der Bestfall für die kommende Zeit gewesen sein. Seine Position, unterstützt von vielen Expert:innen: Wenn ein Unternehmen seine PHP-Software nicht mehr aktualisieren kann (weil zu alt, wie in vielen Fällen der PHP-Nutzung), der:die sollte wegen der Verfügbarkeit der AI-unterstützten Angriffstools lieber erst mal den Betrieb einstellen. Wenn nicht, so bekommen Kriminelle früher oder später Zugriff auf die Daten des Unternehmens und der Kundinnen und Kunden.

Traurige Patch-Statistiken

Censys.com veröffentlicht laufend Statistiken über den Patch-Zustand im Netz. Von anfänglich 41 Mio. nachweislich verwundbaren Servern waren am Morgen des 24. Okt. nur 9 Million auf einem sicheren Softwarestand (siehe Screenshot rechts). Erschreckende 23 Millionen waren so veraltet, dass es keine Patches gibt. Sie sollten eigentlich vom Netz genommen und auf einen aktuellen Softwarestand gebracht werden. Für weitere 9 Millionen waren Patches verfügbar, aber wohl noch nicht eingespielt - auch die sollten beser nicht mehr online sein.

Diese Zahlen geben aber nicht das volle Bild wieder, Details dazu in ↑(opens in a new tab)Erste erfolgreiche Angriffe auf PHP-Lücken, Großteil aller Server noch immer ungeschützt. Censys erfasst nur jene Systeme, die bei Anfragen von außen auch eine Versionsnummer liefern. Das tun rund 60 Millionen PHP-Server aus guten Gründen nicht. Dh es ist unklar, ob diese aktualisiert wurden oder nicht. Aber die (mit Stand 28.10.) 32 Millionen sicher verwundbaren Server bieten mehr als genug Angriffsfläche für Angreifer.

Angriffe scheiterten zu Beginn offenbar an Sicherheitsmaßnahmen im Betriebssystem wie zB ↑(opens in a new tab)ASLR [wiki], Address Space Layout Randomization. Aber auch dafür wurden von den Angreifern Lösungen gefunden. Betreiber von sog. ↑(opens in a new tab)Honeypots [wiki] konnten ab Samstagabend (24.10.) erfolgreiche Angriffe auf ihren Honeypot-Systemen beobachten.

Hier ein erster Bericht über einen erfolgreichen Angriff über verwundbare Firewalls, die ebenfalls teilweise PHP für die Verwaltungsoberfläche einsetzen: ↑(opens in a new tab)Server der US-Regierung mittels PHP2Shell infiltriert. Angeblich steckt eine chinesische Hackergruppe dahinter.

Über die Fortsetzung des Problems der durch AI gefundenen Schwachstellen berichte ich im nächsten Newsletter: Technische Schulden

 

2. AI-Friends, AI-Compagnions

AI-friends waren hier schon sehr oft ein Thema, zuerst in 2004, damals noch als (eher theoretische und humoristische) ↑(opens in a new tab)Geschäftsidee im Rahmen des damals populären ↑(opens in a new tab)Loebner-Preises [wiki], einer Variation des ↑(opens in a new tab)Turing Tests. Der erste kommerziell erfolgreiche Ansatz war wohl ca. 2021: AI Girlfriend Seduces China's Lonely Men.

Nun, 2026, sind AI-Compagnions ein lukratives Geschäft nicht nur für die Zielgruppe "einsame Männer", hier ein ausführlicher Artikel: ↑(opens in a new tab)Das Geschäft mit Romantik und Intimität. Einsamkeit und das Bedürfnis nach urteilsfreiem Austausch sind zu einem der lukrativsten Märkte der Tech-Industrie geworden. Laut dem Marktforschungsinstitut Fortune Business Insights erreichte der globale Markt für AI-Begleiter:innen im Jahr 2026 bereits ein Volumen von knapp 50 Milliarden US-Dollar.

Der Marktführer bei AI-Friends bleibt ChatGPT. Aber ein hochspezialisiertes Ökosystem aus weiteren Anbietern bringt Angebote für Männer und Frauen, denen vorsichtiges Flirten zu wenig ist. Apps wie Candy AI, Darlink, DreamGF oder der Pionier Replika buhlen gezielt um Nutzer, die mehr suchen als Alltagsunterstützung und flirten. Hier 2 Vergleichstests: ↑(opens in a new tab)Best AI girlfriend apps in 2026 after I paid for eleven of them und ↑(opens in a new tab)AI Girlfriend Apps: The 7 Best in 2026.

ChatGPT hatte auch vor, in diesen lukrativen Markt zu gehen, aber die geplante Erotik-Schiene wurde bisher aus Image- und Sicherheitsgründen nicht forciert. Unter 11- bis 17-Jährigen zeigen Statistiken aber, dass bereits jede:r Fünfte ↑(opens in a new tab)mit der AI "flirtet". Vier von zehn Befragten gaben sogar an, die Künstliche Intelligenz sei in vielen Fragen hilfreicher als echte Menschen.

Es schmerzt die großen Tech-Firmen wie Google oder Meta mit Sicherheit, dass in diesem Markt sowohl jede Menge intimer Daten als auch Geld verfügbar ist. Anderseits sehen diese Dienste auch das Potential für Negativschlagzeilen wenn Daten in die Öffentlichkeit gelangen, sie haben genug Ärger mit laufenden Prozessen. Die Anbieter der AI-Compagnions nutzen das ↑(opens in a new tab)Freemium-Modell [wiki] um Benutzer anzulocken. Kostenlose Versionen agieren als harmlose Gesprächspartner in einer „Friendzone“. Erst bei teuren monatlichen Abos werden intime Chats oder Sprachanrufe, romantische oder sexuelle Interaktionen und mittlerweile sogar die Erstellung von Videos freigeschaltet.

Da Anbieter dieser Dienste in Versuch kommen könnten, auch die detaillierten Kundendaten zu monetarisieren, rät der Artikel dazu, sich nicht mit korrektem Namen und der offiziellen Email-Adresse zu registrieren. Gute Intention, aber spätestens mit dem geplanten Social Media-Verbot für Jugendliche kommt die Klarnamenpflicht für alle.

Das Marktpotential ist wohl erheblich. Kritiker warnen vor der Gefahr, sich in einer konfliktfreien, perfekt angepassten digitalen Blase zu verlieren. Ein anderes Risiko ist, dass beim "Einüben von Beziehungsleben" mit einem Chatbot toxische Männlichkeit verstärkt werden könnte. Für Nutzer des AI-Chatbots „Replika“ wurden beleidigende, gewalttätige und sexuell belästigende Interaktionen mit ihren AI-Begleiter:innen dokumentiert: ↑(opens in a new tab)Replika's "AI Companions" Reportedly Abused by Its Users.

 

3. Videoüberwachung des öffentlichen Raums mit AI-Verhaltensanalyse

Deutsche Städte versuchen, mit Hilfe generativer AI Gewalt in ihren Straßen frühzeitig zu erkennen und dann schnell reagieren zu können. Mannheim, Bremen, Berlin, Dortmund und Düsseldorf haben entweder bereits solche Verhaltensanalysen oder wollen sie einführen, hier Details: ↑(opens in a new tab)AI-gestützte Videoüberwachung des öffentlichen Raums.

Überwachungskameras nehmen Videos auf, die AI-Systeme transformieren die Personen zu einer Art "Strichmännchen". Dann werden die Bewegungen zu Vektoren in einem mathematischen Raum. Das Ergebnis wird dann mit ihren Trainingsdaten verglichen. Auch das ursprüngliche Videobild wird analysiert, um daraus den Kontext der Bewegung einzuschätzen.

Ziel der Verwendung von "Strichmännchen" ist, dass die AI sich nicht von Aspekten wie Kleidung oder Hautfarbe "verwirren" lässt. Das ist ein häufiges Problem beim Training von generativen AI-Systemen: Nebensächliche Aspekte in den Trainingsdaten werden zu Hauptfaktoren und verfälschen das Ergebnis.

Die AI-Systeme unterscheiden 15 Verhaltenskategorien. Darunter sind: Schlagen, Treten, Schubsen, Würgen, aber auch Tanzen, Umarmen, Fahrradfahren – Ziel ist das Erkennung von Gewalt.

Wenn die Systeme feststellen, dass etwas mit hinreichend großer Wahrscheinlichkeit polizeilich relevant aussieht, dann wird die Szene in der Videoleitstelle angezeigt. Die wachhabende Polizist*in entscheidet, ob die Situation als harmlos einordnen ist oder ob zum Beispiel eine Streife losgeschickt wird, die die Ausweise kontrolliert oder Personen durchsucht.

Wenn die Software eine Situation markiert und die Polizei will wissen, wer die Täter*in oder Zeug*in vor Ort ist, so sucht das System im Gesichtserkennungssystem des BKA und identifiziert die Personen.

Potentielle Probleme sind, dass Menschen dazu neigen, AI-Systemen zu viel Vertrauen entgegen zu bringen. Sowohl bei der Verhaltenserkennung, sowie bei der optionalen Gesichtserkennung passieren Fehler (es ist bekannt, dass das Erkennung von Personen mit dunkler Hautfarbe sehr oft fehlerhaft ist, in den USA sind viele Fehler dokumentiert). Fehler führen leicht zu False Positives, dh die Systeme "sehen" Gewalt, wo einfach nur ausgelassenes Verhalten ist. Hier die Beispiele: In Hamburg ergab eine von der Polizei veröffentlichte Zählung, dass etwa 99% der Situationen, die die KI markiert, sich als Fehlalarm erweisen. In Mannheim kann die Polizei auch nach acht Jahren KI-Einsatz keine einzige Situation nennen, in der die Verhaltensanalyse zur Verhinderung oder zumindest Aufklärung einer Straftat beigetragen hat.

Nun zur Herausforderung der Trainingsdaten - neuronale Netze müssen trainiert werden. Unsere Städte sind so friedlich, dass aus realen Überwachungsvideos keine ausreichenden Trainingsdaten gewonnen werden können. Die Lösung dafür sind simulierte "Kämpfe" von Polizist*innen. Die Mannheimer Polizei geht davon aus, dass 10.000 "Kämpfe" nötig sind, bis sie verlässlich läuft, 2000 liegen bereits vor.

Berlin spart sich diesen Aufwand. Die Software wird dort mit AI-generierten Szenen trainiert. Eine AI-Software schätzt, wie Straftaten aussehen könnte und zeigt einer anderen AI-Software, wie eine Straftat aussieht - was könnte da wohl schief gehen?

Das Problem bei dieser Technologie ist, dass dadurch Konformitätsdrucke ensteht. Wenn Menschen wissen, dass bei zu "wildem" oder ausgelassenem Verhalten eine Identitätsfeststellung mit Aufnahme der Personalien in staatliche Datenbanken erfolgt, so führt das erwiesenermaßen zu einer vorbeugenden Anpassung oder zu einem Ausweichen in weniger überwachte Stadtviertel.

Gemeinsam mit dem Verhaltensscanner hat die Berliner Regierung im Dezember 2025 auch eine Gesichtersuchmaschine erlaubt, außerdem Datenbanken mit automatisierter Analyse (ähnlich wie die Palantir-Software) und Videodrohnen, die Berlin ebenfalls automatisiert überwachen dürfen.

 

4. Ergänzungen früherer Beiträge

Wer haftet eigentlich für die Aktionen der AI-Agenten?

In Bezug auf die Haftung für Handlungen von AI-Agenten, die mehr oder weniger selbsständig im Auftrag ihrer "Besitzer" handeln (Einkaufen, Geld überweisen, etc.) könnte es noch Klärungsbedarf geben. US-Banken haben bereits Angst, dass sie für unautorisierte Zahlungen durch AI-Agenten ihrer Kunden haften müssen. Sie versuchen, die Agenten von ↑(opens in a new tab)Zugriffen auf die Kunden-Konten abzuhalten.

In der EU ist die Haftung von Banken in der Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 geklärt. Laut einem EuGH-Urteil (Az. C-70) müssen Banken nicht autorisierte Zahlungen unverzüglich erstatten. Die Bank kann danach versuchen, sich das Geld über ein Gerichtsverfahren vom Kunden zurückzuholen. Ob eine generelle Haftung der Banken auch für Zahlungen durch AI-Agenten des Kunden gilt, wird vor Gerichten geklärt werden.

Technisch ist das Aussperren von AI-Agenten nicht ganz einfach. AI-Agenten lösen die lästigen ↑(opens in a new tab)Captcha-Tests [wiki] oft schneller als ein Mensch und sie greifen mit den Autorisierungen des Kunden auf das Konto zu.

Hier mein voriger Beitrag zu AI-Agenten, mit vielen Details zum AI-Agenten Muse von Meta (inklusive Aktualisierungen) und hier zum vorigen Beitrag zu Haftungsfragen.

Ergänzungen Okt. 2026:
Nicht nur AI-Agenten richten Schäden an, auch Roboter: ↑(opens in a new tab)Lieferroboter verursacht Unfall mit neun Verletzten und fährt weiter. Der Lieferroboter fuhr in Tallinn bei Rot über eine Straße, ein Bus machte eine Notbremsung, Fahrgäste stürzten, der Roboter fuhr weiter. Bei einem Menschen wäre das Fahrerflucht. Dies ist nicht der erste Unfall durch einen Roboter: Es gab schon frühere Unfälle durch Roboter, unter anderem 2020 in Tallinn und 2023 in Phoenix.

 

Europa und US-Technologien

Es gab weitere Ergänzungen beim Konflikt um Starshield-Nutzung durch die Ukraine. Auch wenn es derzeit wohl wieder funktioniert, so wird von Musk weiter gestänkert und gedroht, von Palantir hingegen aus Angst um ihre Geschäfte abgewiegelt. Mehr technologische Unabhängigkeit für Europa scheint überlebenswichtig zu sein.

 

Audi im MAGA-Lager

Das hier ist schon sehr peinlich, da wechselt ein Europäer die Seite: ↑(opens in a new tab)Breite Kritik an Auftritt von Audi-Chef mit Trump. Audi-Chef Gernot Döllner kündigte bei einer Wahlkampfveranstaltung von Trump den Bau eines neuen US-Werks an (der Bau ist aber noch gar nicht beschlossen, das muss erst der Volkswagen-Aufsichtsrat entscheiden). Döllner erklärte, Audi plane eine Fabrik für "the biggest and most premium SUV", er hat den Trump-Stil schon gut drauf.

Aus Deutschland kommt breite Kritik, sowohl aus der Politik, wie aus dem VW-Konzern selbst. Döllner habe mit seiner Rede bei der Wahlkampfveranstaltung die Unternehmensregeln "eklatant" verletzt. Die Regeln fordern von allen Audi-Mitarbeitern politische Neutralität im Vorfeld von Wahlen. Der deutsche Bundesumweltminister Carsten Schneider erklärt: ↑(opens in a new tab)Audi wettet „auf ein totes Pferd“.

Irgendwie glaubt Döllner wohl, dass eine demonstrative Nähe zu Trump die Marke Audi weltweit populärer machen würde, die Logik dahinter ist mir nicht ganz klar.

 

Scam-Center und Internetbetrug

Betrug im Internet (in seinen Varianten von Love-Scam bis Investment-Betrug) ist ein riesiges weltweites Geschäft, über das ich ja regelmäßig berichte. Immer wieder werden professionell organisierte und ausgestattete Callcenter ausgehoben, zB nun in Afrika: ↑(opens in a new tab)Interpol macht Cyberkriminelle in Afrika dingfest. Es geht um Phishing, verbotenes Kryptomining, Finanz- und Investmentbetrug, die Scam-Center waren in 20 afrikanischen Ländern, es gab 1462 Verhaftungen und 105 Millionen $ wurden beschlagnahmt. 65000 Opfer konnten bereits identifiert werden.

Eine nicht ganz so große Akion gab es in der Ukraine: ↑(opens in a new tab)Ukraine's top prosecutor resigns amid scam call center scandal, die Verwicklungen gehen auch hier bis in die oberste Verwaltung.

Eher gegen Unternehmen richten sich die nordkoreanischen Staatshacker (die zu den bestbezahlten im Lande gehören und eine wichtige Einnahmequelle für den Staat darstellen, sie erbeuten Milliarden Euro pro Jahr). Ein griechischer Sicherheitsforscher ↑(opens in a new tab)konnte in ihre Infrastuktur eindringen: Er findet Daten zu tausenden betroffene Firmen und Milliardenbeute für das Regime. Hier ein Beispiel für einen ↑(opens in a new tab)CEO-Betrug Angriff mittels Zoom-Anrufen. (Hier zu: Was ist CEO-Betrug?)

In Texas wurden ↑(opens in a new tab)Laptop-Farmen ausgehoben, sie dienen dem Verschleiern der nordkoreanischen IP-Adressen, zB für die Betrugsaktivitäten der nordkoreanischen IT-Entwickler in westlichen Firmen.

 

AI und Wirtschaftsentwicklung

Im vorigen Newsletter wurden im Kapitel zu "AI und Wirtschaftsentwicklung" neue Informationen ergänzt. Es passiert derzeit sehr viel, zB der Börsengang von Anthropic.

 

Deepfake Nudify-Services

Nudification-Services waren hier schon oft ein Thema, sie sind leider auch ein finanziell lukratives Geschäftsmodell.

In den USA gehen die gerichtlichen Auseinandersetzungen gegen Deepfake Nudify-Services immer weiter. Elon Musks AI-Unternehmen xAI mit dem Dienst Grok beruft sich auf die Meinungsfreiheit - bizarr!

Ingrid Brodnig berichtet, dass es sehr wohl technische Möglichkeiten gibt, um die Nudification-Fähigkeiten drastisch zu begrenzen: ↑(opens in a new tab)Was gegen Deepfakes hilft. Sie berichtet von einer Studie der Universität Wisconsin-Madison. Dabei zeigte sich, dass die Fähigkeit dieser Modelle, Nacktfotos und Pornographie zu erzeugen, davon abhingen, ob die AI-Systeme mit entsprechendem Material trainiert wurden.

Die Version Stable Diffusion 1.0 war mit Nackbildern trainiert, wegen Protesten wurde eine Version Stable Diffusion 2.0 erzeugt, bei der Porno-Bilder gezielt aus dem Trainingsprozess herausgefiltert waren. Einschlägige Online-Communitys übten heftige Kritik an dieser Version. Da diese Communities wohl eine wichtige Einnahmequelle sind, gab es danach die Version Stable Diffusion XL, das sich gut als Porno-AI-Tool eignet.

Das heißt, die Gesellschaft müsste Nudification und Deepfake-Pornographie nicht hinnehmen, es ist eine Geschäftsentscheidung der Unternehmen, diesen Markt nutzen zu wollen und die Gesellschaft rebelliert nicht dagegen.

 

Meta, andere Tech-Oligarchen und Wahlen

Im vorigen Newsletter wurden mehr Details zu den Eingriffen von Meta in Wahlen ergänzt.

Außerdem ist da jetzt noch ein Abschnitt zur Frage, ob "das große Geld" der Tech-Oligarchen viele der republikanischen Kandidaten zum Sieg bringen kann.

 

Govcamp 2026 in Wien - 16. November 202

Auch in diesem Jahr gibt es wieder ein govcamp in Wien - ich bin als Chaos Computer Club-Mitglied Teil der Veranstalter. Das Motto ist: "Wie schnell ist zu schnell? - Digitale Spannungsfelder zwischen Geschwindigkeit, Souveränität, Zuverlässigkeit und Transparenz". Datum: 16. November 2026 Nachmittags.

Die Veranstaltung findet im ↑(opens in a new tab)Barcamp-Format [wiki] statt, dh die Veranstalter stellen das Motto und die Räume, die Teilnehmer:innen schlagen Themen vor, die dann in Arbeitsgruppen 45 Min. lang diskutiert werden. Im Plenum wird am Ende eine Zusammenfassung präsentiert. Details hier: ↑(opens in a new tab)govcamp 2026 in Wien.

 

Kostenlos: ÖIAT-Online-Seminare

Kostenlose Online-Seminare organisiert das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation (↑(opens in a new tab)ÖIAT). Hier die kommenden Termine und Themen - alle diese Schulungen sind empfehlenswert.

Die Termine und Themen der neuen Online-Kurse: (zumeist abends, manchmal auch nachmittags oder morgens)

  • 03. Nov. | Webinar: Männersache – Frauensache: Vorurteile in digitalen Medien
  • 09. Nov. | Webinar: Über Pornografie reden
  • 10. Nov. | KI und Online-Shopping: Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen für den Konsumentenschutz
  • 10. Nov. | Webinar: Cybermobbing: Erkennen, handeln, unterstützen
  • 11. Nov. | Webinar: Digitale Aspekte in Kinderschutzkonzepten
  • 11. Nov. | Webinar: Wie erkenne ich betrügerische Werbung in sozialen Netzwerken?
  • 17. Nov. | Webinar: Medienkompetenz – was ist das eigentlich?
  • 24. Nov. | Webinar: Gesundheit im Netz: Unrealistische Wirkversprechen entlarven
  • 01. Dez. | Webinar: Sicheres Online-Shopping
  • 03. Dez. | Webinar: Rechtliche Fragen und Antworten zu Cybergewalt an Minderjährigen
  • 15. Dez. | Webinar: Täuschend echt - Deepfakes und KI Im Kontext sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche
  • Anmeldung auf ↑(opens in a new tab)academy.oiat.at - der Zoom-Link kommt dann per Email - wie gesagt: m.E. sehr empfehlenswert.