253. Newsletter - sicherheitskultur.at - 17. Oktober 2026
von Philipp Schaumann
Letzte Ergänzungen 22.10.2026
Themen-Überblick aller Newsletter
Hier die aktuellen Meldungen:
1. AI, Roboter und Kriege
Den ↑(opens in a new tab)Einsatz von Robotern für Kriegsführung behandele ich (auf meiner zweiten Website) seit über 20 Jahren. Lange gab es immer wieder (mehr oder weniger gruselige) Roboter zu sehen, die für den Kriegseinsatz konzipiert wurden. In 2010 berichtete ich vom Drohnenkrieg der USA von vielen Teilen der Welt: ↑(opens in a new tab)Software die tötet.
In den letzten Jahren hat sich bei der vollständigen Automatisierung kriegerischer Handlungen sehr viel getan. Einer der Gründe für den unerwartet zügigen Fortschritt ist der "David gegen Goliath" Verteidigungskrieg, den die Ukraine gegen die russische Invasion führen muss. Prägend für diesen Krieg ist das extrem ungleiche Größenverhältnis zwischen der Ukraine und Russland und das traditionell starke Technologie-Know-How der Ukraine (die russische Raumfahrt beruhte sehr stark auf ukrainischen Ingenieuren). Daher hängt das Überleben der Ukraine als selbständiger Staat sehr stark von ihrem Technologie-Vorsprung ab.
Der Standard berichtet: ↑(opens in a new tab)Projekt "Armee der Roboter": Wie Kyjiw den Krieg automatisieren will. Ein dramatisches Beispiel ist ↑(opens in a new tab)Operation Vivaldi: Drohnen setzen Roboter hinter russischen Linien ab. Mittels größerer Transportdrohnen werden kleinere Bodenroboter hinter der Front abgesetzt, die dann dort entweder Minen legen oder direkt Kampfhandlungen vornehmen. Noch ein Artikel dazu: ↑(opens in a new tab)Operation Tarhan: Ukraine schreibt Geschichte mit dem ersten rein robotischen Sturmangriff. Aber auch Russland macht immer wieder technologische Fortschritte (auch dank westlicher Technologien wie AI-Chips, die trotz Embargo ihren Weg in die russischen Waffen finden, aber auch viel Hilfe aus China).
Hehre Konzepte wie "man-in-the-loop", dh die letztendliche Entscheidung zum Töten obliegt einem Menschen werden in den modernen Kriegen nur begrenzt verwirklicht (siehe auch meine Artikel zum Krieg in Gaza). ↑(opens in a new tab)Zielauswahl durch KI: Russland tötet Zivilisten mit autonomen Drohnen. Menschliche Aufsicht ist nicht vorgesehen. Die Waffen funktionieren dank Chips von Nvidia.
Dazu passt, dass die Verankerung des Konzepts von "man-in-the-loop" in den ↑(opens in a new tab)internationalen Gesetzen zur Kriegsführung [wiki] nicht gelingen will. Hier ein Beispiel aus aktuellen Verhandlungen: ↑(opens in a new tab)USA und Russland streichen Ethik und menschliche Kontrolle aus UN-Entwurf zu KI-Waffen. Entfernt wurde zB eine Klausel, die eine menschliche Überprüfung von KI-erarbeiteten Zielvorgaben vor dem Kampf gefordert hätte.
Auch der aktuelle Krieg der USA gegen den Iran zeigt die derzeitige "Überlegenheit" von preisgünstigen Drohnen gegenüber einem hochgerüsteten Staat mit teuren High-Tech Waffen. Natürlich kann die US-Armee große Teile des Irans in Schutt und Asche bomben, aber sie sind nicht in der Lage, ihre Schiffe und Truppenstandorte gegen Schwärme von preisgünstigen Drohnen zu schützen.
Hier ein Hintergrund-Artikel zu den Verschiebungen zwischen Angriff und Verteidigung: ↑(opens in a new tab)US Navy Defeated. Die Zahlen dahinter: 1 Flugzeugträger hat 4 Begleitschiffe zu seinem Schutz. Jedes Begleitschiff hat 100 Raketen für die Verteidigung gegen anfliegende Drohnen. Für jede anfliegende Drohne werden üblicherweise 2 Abwehrraketen gestartet, damit können nur ca. 250 anfliegende Drohnen bekämpft werden, der Iran hat wohl ca. 3000. Dh die Flugzeugträger ziehen sich zurück. Fast täglich zeigt sich die ↑(opens in a new tab)derzeitige Überlegenheit von Drohnen-Angriffen und auch die Straße von Hormus bleibt blockiert. Die Ukraine und Russland erleben beide täglich, dass eine effektive Verteidigung gegen Schwärme von preisgünstigen Drohnen nicht wirklich möglich ist.
Die hier in den Newslettern immer wieder erwähnten US-Tech-Oligarchen mit ihren Science Fiction-Ideen dürfen nun gemeinsam die US-Regierung zur Zukunft des Krieges beraten: ↑(opens in a new tab)Project Meridian: Science-Fiction oder Wunschzettel von Trump-Freunden? Elon Musk ist wieder zurück im Zentrum der Macht und Co-Director der Beratungsgruppe. An den Futtertrögen versammelt: Palmer Luckey, Gründer von Anduril (Anbieter von autonomen Fluggeräten), Dino Mavrookas, CEO von Saronic (Anbieter von autonomen Schiffen), Joe Lonsdale, einer der Palantir-Gründer und Safra Catz, Chef der Softwaresparte von Oracle. Das riecht alles nach ↑(opens in a new tab)Conflict of Interest.
2. Kann man heute AI-Fakes noch erkennen?
Ein häufiges Thema hier, siehe zB Deepfakes und der Verlust von Realität. Die NY Times hat einen interaktiven Artikel veröffentlicht, in dem am Beispiel dieses fast perfekten Bildes auf die noch immer üblichen Fehler hingewiesen wird: ↑(opens in a new tab)This Photo Is an A.I. Fake. Can You Tell? (kostenloser Gastzugang).
3. Data Center Madness
Der "Wahnsinn" der gigantischen AI-Data Center geht immer weiter, hier nun einige Berichte. Die ↑(opens in a new tab)Kosten aller geplanten US AI-Data Center werden für nächstes Jahr auf 1 Billion (engl. 1 Trillion) geschätzt. Um bis 2030 auf break-even zu kommen müssten sie bis dahin eine jährliche Steigerung um das 2,7-fache haben. Ein Kommentar ↑(opens in a new tab)KI wird nicht die Menschheit vernichten, aber jede Menge Geld.
Oracle, Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta haben noch bis 2024 immer mindestens doppelt so viel eingenommen, wie sie ausgegeben haben. 2026 wird sich das Verhältnis aber umkehren, die ↑(opens in a new tab)Investitionen der Konzerne dürften demnach deutlich über den – in jedem Jahr enorm gestiegenen – Einnahmen liegen. Die mit AI generierten ↑(opens in a new tab)Umsätze müssten bis 2032 jedes Jahr um 80% wachsen, um den Umsatz von fast vier Billionen US-Dollar zu erreichen, der zur Refinanzierung der Investitionen nötig ist. Damit diese Schulden nicht in den Büchern stehen, gehen sie zusätzlich zu den Schulden gegenüber den Errichtern der Rechenzentren noch “purchase commitments” (Abnahmegarantieren) in Billionenhöhe für Mietkosten in den zukünftigen Rechenzentren und für Chips und Strom ein. Auf der Basis dieser “purchase commitments” verschulden sich wiederum die Errichter der Rechenzentren.
Optimisten argumentieren mit dem Wachstum der Einnahmen durch Vibe Coding. Das könnte aber "dünnes Eis" sein: ↑(opens in a new tab)How Special Is Programming as a Token-Infall Attractor? Vibe Coding ist sehr speziell: ein vergleichsweise kleiner Prompt führt zu Programmierung, Testen, Überarbeitung, Re-Testen, bis zur Dokumentation. Andere LLM Aktivitäten wie das Zusammenfassen von Dokumenten, Formulierung einer Email, Beantwortung einer Wissensfrage sind kürzer und schnell abgeschlossen. Dh Vibe Coder sind nicht early adopter sondern eine separate Kategorie von Nutzern und untypisch. Ebenfalls in diesem Sinne berichtet eine Harvard-Studie: ↑(opens in a new tab)Softwareentwicklung: AI-Flut bringt mehr Code und weniger Fortschritt. Hier mein voriger Artikel zu Vibe Coding.
Meta versucht die ↑(opens in a new tab)Investitionen als Steuersparmodell zu nutzen. Sie nennen diese Investitionen "Grundlagenforschung". Das spart Steuern, aber die eigene Buchhaltung zweifelt an der Legalität. ↑(opens in a new tab)Gary Marcus: Data center madness. Hier mein voriger Bericht zur Finanzierung der AI-Infrastruktur.
Bisher waren Anthropic und OpenAI sehr kreativ beim Berichten ihrer Finanzen. Sie haben meist einen guten Umsatzmonat genommen und diese Zahlen mit 12 multipliziert: ↑(opens in a new tab)annualisierte Run-Rate (ARR). Vor den geplanten Börsengängen müssen nun aber die realen Zahlen genannt werden, die sehen nicht gut aus: ↑(opens in a new tab)Anthropic meldet vor Börsengang dutzende Milliarden Verlust, exorbitante Kosten. Im vergangenen Jahr hat Anthropic mehr als 40 Milliarden US-Dollar Verlust gemacht. Ein Viertel des Umsatzes (4,6 Milliarden) kommt von nur 2 Kunden: AI-Coding-Tool Cursor (nun von xAI übernommen) und GitHub Copilot von Microsoft - beides Konkurrenz-Anbieter, das ist eher sub-optimal. OpenAI berichtet immer noch "annualisierten Umsatz", aber nun ↑(opens in a new tab)20 Milliarden weniger als erwartet. Dies führt überraschenderweise zu Auswirkungen auf die Aktienkurse anderer großer Technologieunternehmen. Unternehmenskennzahlen von OpenAI und Anthropic gelten als wichtiger Gradmesser für die globale AI-Nachfrage.
Manche Menschen sagen, ein Platzen der Data Center Bubble wäre auch kein Problem. Nach dem ↑(opens in a new tab)Platzen der Internetblase [wiki] im Jahr 2000 wurden die Investitionen in Glasfaser und Rechzenzentren für andere Internet-Aktivitäten genutzt, sie waren nicht verloren. Nach dem was ich lese ist dies diesmal unwahrscheinlich. Die AI-Rechenzentren sind in einer anderen Größenordnung als normale Cloud-Rechenzentren, sie sind anders ausgestattet und nicht einfach umrüstbar. Die GPUs oder TPUs sind gut für neuronale Netze, oder für Kryptomining oder Computerspiele, nicht für Cloud-Computing.
Im nächsten Newsletter gibt es eine ausführliche Bewertung der Wirtschaftswachstumprognosen mit denen diese Investitionen gerechtfertigt werden.
Und die Arbeitsplätze?
Investitionen sind (weitgehend) ein ↑(opens in a new tab)Nullsummenspiel [wiki], das Geld wird entweder in Rechenzentren investiert oder in andere Industrien. ↑(opens in a new tab)Paul Krugman: Will AI Crowd Out Jobs? Der Nobelpreisträger hat ausgerechnet, dass Kapital, das in AI-Rechenzentren investiert wird 1% der Jobs erzeugt, die eine gleich große Investition in andere Industrien geschaffen hätte (zB in erneuerbare Energien und Umweltschutz). In einem typischen AI-Rechenzentrum sind nach Abschluss des extrem teuren Baus ca. 100 - 150 Menschen angestellt. Auch ein Produktivitätsschub in der allgemeinen Wirtschaft durch den Einsatz generativer AI ↑(opens in a new tab)ist derzeit nicht nachweisbar.
Eine Studie zu Arbeitsplätzen in Deutschland sagt: ↑(opens in a new tab)AI kostet bisher keine Jobs in Deutschland. Die Studie besagt, AI-Einsatz ist nicht schuld an der Abnahme der Einstiegsjobs. Die sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung in AI-exponierten Bereichen hätte sogar insgesamt 1% Zuwachs - bei Beschäftigten im Alter von 20 bis 29 Jahren in stark KI-exponierten Berufen gäbe es eine 3,8% Reduktion. Als Grund sehen sie jedoch nicht AI, sondern die anhaltende Konjunkturschwäche.
4. Juristisches zu AI-Systemen
Bei den vielen Schäden, die durch AI-Systeme angerichtet werden, stellt sich die Frage, wieso die das dürfen ohne bestraft zu werden. Offenbar greift das Strafrecht bei gefährlichen AI-Systemen bisher nicht wirklich. Die Firmen hinter den Systemen können nur zivilrechtlich vor Gericht gebracht werden, dh der:die Angegriffene muss selbst klagen und dabei das Prozessrisiko übernehmen (wissend, dass die AI-Firmen sicher in die Revision gehen werden). Da ist es oft interessanter, direkt eine Entschädigung oder AI-Rechenzeit einzufordern. Die US-Handelsbehörde FTC (eine Verbraucherschutzbehörde) hat eine ↑(opens in a new tab)Untersuchung gegen OpenAI, Anthropic, Forschungsinstitut METR und andere AI-Firmen gestartet (bereits vor den Hugging Face-Vorfällen). Die Firmen sollen über die Gefahren für Verbraucher durch ihre Systeme Rede und Antwort stehen, nicht zu Angriffen durch ihre AI-Agenten, sondern auch zu den Morden und Selbstmorden nach Gesprächen mit AI-friends.
Hier eine längeres Gespräch über die begrenzten juristischen Möglichkeiten: ↑(opens in a new tab)Can companies like OpenAI keep getting away with what they are doing? Auch hier werden diese Systeme mit defekten Autos verglichen, dh ein Thema für den Verbraucherschutz. Für eine strafrechtliche Behandlung wäre wohl ein Vorsatz notwendig, dies ist schwer nachzuweisen. Eigentlich sollte "unbefugtes Eindringen in fremde Systeme" unter das ↑(opens in a new tab)Computer Fraud and Abuse Act [wiki] fallen. Eine Rechtsansicht dazu ist aber, dass dies nur dann gelten würde, wenn Menschen die AI-Agenten mit dem Eindringen beauftragt hätten (eine 'Schuld durch mangelnde Aufsicht' ist im Gesetz nicht vorgesehen). Das Gesetz geht konsequent von Menschen als Täter aus. Da die AI-Agenten die Tat "selbständig entschieden" haben, ist die Gültigkeit dieses Gesetzes umstritten. Da es ein Bundesgesetz ist, könnte nur die (noch) republikanische Mehrheit (gegen Trump) dieses Gesetz ändern.
In einigen Bundesstaaten gibt es Gesetze die Firmen zwingen, ↑(opens in a new tab)Gefahren die von ihren Systemen ausgehen, pro-aktiv zu melden. Die Meldepflicht beginnt erst bei 50 Toten oder Verletzten, bzw. einem Schaden von 1 Millarde, davon ist jede der Firmen zum Glück noch weit entfernt. Das heißt, die derzeitigen Gesetze greifen alle zu kurz, auch die AI-Regeln der EU. Obwohl Von der Leyen der Meinung ist, ein wichtiges Werkzeug geschaffen zu haben: ↑(opens in a new tab)Europe Says Its AI Rules Are Enough. AI Agents Are Testing That Claim. Der Standard wiederspricht: ↑(opens in a new tab)Wie sich Tech-Konzerne den Spielregeln der EU entziehen.
Acht US-Bundesstaaten haben OpenAI wegen mutmaßlicher ↑(opens in a new tab)Verstöße gegen Verbraucherschutzgesetze verklagt, ChatGPT soll Minderjährige gefährden und Wahnvorstellungen verstärken, Selbstverletzung, Suizid und Gewalt wurden dokumentiert. Die juristischen Details sind kompliziert, so muss wohl für zivilrechtliche Haftung teilweise "Vorsatz" nachgewiesen werden und es werden teilweise "nur" 10 000$ pro Schadensfall gefordert. Hier ein früherer Beitrag zu Social Media-Sucht.
Im Oktober macht Anthropic einen eigenen Gesetzesvorschlag bezüglich, wann AI-Systeme "vom Netz genommen werden müssen". Sie übernehmen die Schwelle von 50 erwarteten Toten, bzw. einem erwarteten Schaden von 1 Millarde, zB durch Angriffe im Internet: ↑(opens in a new tab)Anthropic will KI-Modelle blocken "wenn mehr als 50 Menschen getötet werden könnten". Das ist wohl auch ein Versuch, einige teilweise strengere Regelungen auf bundesstaatlicher Ebene aushebeln und die Schwelle möglichst hoch zu legen.
Das Unternehmen cityupdate hat eine ↑(opens in a new tab)Rechercheplattform für AI incidents implementiert. Sie führen darin 7 internationale Sammlungen zusammen, mit derzeit 25.824 Quelleneinträgen. Ziel ist, dass das Ausmaß der Schäden zumindest dokumentiert wird.
5. Viele IT-Angriffe überall
Ob die derzeitige Welle der IT-Angriffe gegen wichtige Infrastruktur mit der Weltlage (hybride Angriffe zB aus Russland) zu tun hat oder ob der Grund einfach ist, dass AI-Systeme IT-Angriffe sehr erleichtern, das kann derzeit noch niemand sagen. Aber die Angriffe häufen sich leider. Bisher sind das alles nur Nadelstiche, die Versorgung der Bevölkerung ist nirgends wirklich gefährdet. Die Angriffe zeigen aber unsere Verwundbarkeit als digital vernetzte Gesellschaft, die ihre IT-Systeme nicht wirklich sicher im Griff hat und schützt.
Frankreich ist von einer Welle von Angriffen gegen Supermarktketten betroffen, dort hängen sehr viele Lebensmittel-Kühlanlagen der Firma Danfoss für Steuerungs- und Wartungszwecke im Internet, offenbar sehr viele sehr veraltet und nicht zB hinter einem VPN-Zugang versteckt. ↑(opens in a new tab)300 Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte von über 15.000 sind betroffen, dh noch kein ernstes Versorgungsproblem. ↑(opens in a new tab)Tiefkühler auf 50 Grad geheizt – Cyber-Großangriff auf Supermärkte löst in Frankreich Brände aus. Betroffen sind Intermarché, Coopérative U, Carrefour Market, Monoprix, Leclerc und Super U.
↑(opens in a new tab)Hacker kapern weitere Supermarkt-Kühlschränke, diesmal sind es Anlagen, die US-Konzern Copeland geliefert hat. Das bundesdeutsche BSI und die französische staatliche ↑(opens in a new tab)Sicherheitsorgansiation ANSSI [wiki] ↑(opens in a new tab)warnen, dass Copeland-, Danfoss- und Dixell-Steuerungen aktualisiert werden müssen. Das geht aber nur teilweise, viele sind veraltet und außerhalb der Wartungsfenster. In Frankreich sind vor allem veraltete Modelle betroffen. Eines davon bekommt seit 2016 keine Sicherheitsupdates mehr, das andere seit 2021. Der Weiterbetrieb der alten Geräte spart vermutlich Investitionskosten, ist aber mE fahrlässig. Auch ein aktuelles Modell ist betroffen, dort wurden die Sicherheitspatches offensichtlich nicht installiert. Ende August hatte das IT-Securityunternehmen Claroty die kritische Schwachstelle in der Fernwartung gefunden. Über Shodan, eine Suchmaschine zum Finden von solchen vernetzten Geräten, waren 2700 Geräte zu finden. In Österreich sind es nur 4. In Deutschland nur "eine geringe Zahl". Hier der Angriff gegen Kühlschränke des US-Militärs. In den meisten Ländern gehören Lebensmittelketten (so wie Kraftwerke und Banken) zur sog. "kritischen Infrastruktur", sie unterliegen strengen Regeln zur Einhaltung der IT-Sicherheit. Grobe Fahrlässigkeit durch veraltete Geräte offen im Netz, ich denke, das könnte ein juristisches Nachspiel haben.
Der niederländische Supermarktkonzern Albert Heijn erlebt einen separaten Angriff: ↑(opens in a new tab)Leere Regale: Supermarktlogistik durch Cyberangriff lahmgelegt. Betroffen ist zB die Belieferung der Filialen, aber auch die elektronischen Regaletiketten und das Treueprogramme für die Kunden.
Aber es geht weiter: ↑(opens in a new tab)Cyberangriff legt Baustelle am Fehmarnbelt-Tunnel lahm. Der ursprünglich für 2031 vorgesehene Eröffnungstermin war Anfang des Jahres aufgegeben worden, einen neuen Termin gibt es bislang nicht, nun gibt es weitere Verzögerungen.
Japan kämpft mit einer ↑(opens in a new tab)Welle von Cyberangriffen. Japans Digitalminister spricht von einem Notstand. ↑(opens in a new tab)Banken-Aufseher in USA und Europa prüfen AI-Risiken bei Banken.
Hier der Link zu meinem Artikel Angriff gegen Verteidigung, hilft AI mehr den Verteidigern oder den Angreifern. Wie weiter oben bei den Drohnen scheinen auch hier die Angreifer derzeit im Vorteil zu sein.
6. Ergänzungen früherer Beiträge
Gefahren generativer AI
In einem früheren Newsletter hatte ich gefragt: Bringt die AI bis 2030 alle Menschen um? ↑(opens in a new tab)Ingrid Brodnig berichtet nun über eine Satire in Saturday Night Live: ↑(opens in a new tab)Anthropic CEO Dario Amodei on AI’s Threat to Humanity - SNL. Amodei hat mehrfach öffentlich erklärt, die Wahrscheinlichkeit, dass generative AI die Menschheit in 10 Jahren vernichtet, läge bei 10%. Die Umsetzung als Satire bringt die Absurdität dieser Art von "Werbung für sein Produkt" auf den Punkt: "Wenn Sie eine Milch trinken könnten, die Ihr Leben einfacher macht, aber dabei eine zehnprozentige Wahrscheinlicheit hat, Sie umzubringen: Würden Sie die Milch trinken?" Als der Journalist mit "Nein" antwortet, ist Amodei schockiert.
Ähnlich absurd: Palantir Chief Technical Officer Shyam Sankar berichtet in einem Interview, dass viele AI-Entwickler mit Rauchen anfangen, weil sie darauf vertrauen, dass ihre generative AI ↑(opens in a new tab)das Problem Lungenkrebs in 10 Jahren eh gelöst hätte. Siehe hier zu den absurden Versprechungen.
Mehr von von Anthropic: ↑(opens in a new tab)Nutzer dürfen Anthropic AI Claude nicht mehr grundlos beleidigen. Das ist zwar vollkommen OK, aber die Begründung ist bizarr: Anthropic sieht die Maßnahme als Beitrag zur „model welfare“, also der Fürsorge für AI-Chatbots. Anthropic sagt, sie wüssten nicht, ob ihre Chatbots ein Bewusstsein hätten und sich kränken würden. Hier mein früherer Beitrag zu AI und Bewusstsein.
Nun zu den realen Gefahren der generativen AI. Eine Reporterin der NY Times hat das (nur in den USA verfügbare) ‘ChatGPT for Teens’ ausprobiert. Es ist die Antwort auf die Kritikpunkte an AI für Kinder, die Reporterin ist enttäuscht: ↑(opens in a new tab)Why My Conversations with OpenAI’s ‘ChatGPT for Teens’ Made Me Very Worried (Gratis-Zugriff). Es hat sich bei den Problemen nicht viel geändert: der Chatbot erledigt immer noch die Hausaufgaben und das System reagiert oft nicht (oder falsch) auf Problemsituationen wie Drohungen mit Selbstverletzungen, Selbstmord, Gewalt gegen andere. Ebenfalls beunruhigt ist die Organisation "Common Sense Media", die 4000 Prompts testete.
Smart Glasses, auch juristisch
Bizarrer Konflikt: Ein Junge in Wien will seine Smartbrille auch in der Schule tragen, als Grund wird ADHS [wiki] angegeben. Lehrer und Mitschüler fühlen sich überwacht. Die Eltern zogen vor Gericht, das ihnen recht gab. Das Bildungsministerium prüft nun ein allgemeines Verbot von Smartglasses an Schulen: ↑(opens in a new tab)Schüler muss Smartbrille von Meta nicht absetzen – trotz Empörung in seiner Schule. Ich verstehe, dass die Mitschüler:innen und Lehrer:innen das nicht haben wollen, den Einsatz der Eltern verstehe ich nicht ganz. Dieser Artikel bringt Hintergründe: ↑(opens in a new tab)Streitfall Smartbrillen: Schummel-Tool, Spionagegerät – oder doch medizinisches Hilfsmittel? Der Tenor: Blinden Menschen könnten solche Brillen evt. helfen, bei ADHS fehle aber die Evidenz. Der Fall wird weiter die Gerichte beschäftigen.
Stefan Strauß vom Institut für Technikfolgenabschätzung sieht diese Geräte als ↑(opens in a new tab)"ideologische Technologie" mit sehr viel Konfliktpotential. Für ihn stehen solche Brillen im Konflikt mit unseren Grundrechten und haben damit auch eine politische Komponente - wieviel (potentielle) Überwachung will eine Gesellschaft tolerieren. Er sieht für die Zukunft noch viel größeres Konfliktpotential. Denn derzeit beschränkt sich die Funktionalität auf "heimliches Filmen". Die Geräte könnten aber in Zukunft noch viel mehr Konfliktpotential beinhalten, zB automatische Gesichtserkennung und Analyse der gefilmten Szenen (siehe dieses Patent). Für Strauß ist fraglich, ob solche Brillen tatsächlich von einer breiten Masse angenommen, bzw. toleriert werden.
Juristisch ist die Situation derzeit durchaus kompliziert. Ein ↑(opens in a new tab)Urteil in Deutschland sieht derzeit die Meta Smart Glasses als zulässig, das LED-Signal bei Aufzeichnung sei ausreichend. Das Urteil muss aber nicht das letzte Wort sein: ↑(opens in a new tab)DSGVO vs. Smart Glasses: Warum Ray-Ban-Meta-Träger haftbar gemacht werden können. Wer unbeteiligte Dritte mit Smart Glasses filmt oder Metas KI-Training zulässt kann sich strafbar machen. Der Einsatz der Smart Glasses im öffentlichen Raum sei so datenschutzrechtlich nur schwer legal zu gestalten. Wer mit der Brille durch die Stadt geht, müsste Passanten laut der Analyse vorab mündlich aufklären oder gar Warnwesten mit Aufschriften tragen, um den Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs zu genügen. Besonders problematisch ist der Datenschutz rund um Arztpraxen, Demonstrationen, Frauenhäusern oder Spielplätzen.
Der Europäische Datenschutzausschuss hat keine Zweifel: ↑(opens in a new tab)"Smartbrillen sind „hohes Risiko für Grundrechte und Freiheiten“". Das Gremium der europäischen Datenschutzbehörden hat erste Leitlinien zu den Überwachungsbrillen veröffentlicht. Sie sehen die Geräte als Bedrohung für die Privatsphäre und fordern insbesondere eine stärkere Kennzeichnung der Geräte, wenn diese filmen und aufnehmen.
Aber: ↑(opens in a new tab)Wie kann ich mich gegen Smart Glasses wehren? Falls man das Gefilmt-Werden realisiert und es zu keiner Übereinkunft kommt, so kann man die Person bei der Datenschutzbehörde melden – vorausgesetzt, man kann denjenigen identifizieren. Falls man sich belästigt fühlt, so kann man auch eine Anzeige bei der Polizei machen, auch hier bleibt die Frage, wie die Identitätsfeststellung klappt. Einfacher ist es, wenn man unerlaubte Aufnahmen von sich bereits im Internet findet, dann kann man die Beweise sichern (Screenshots oder Videosmit Zeitstempel) und Anzeige erstatten.
Hier mein voriger Artikel zu Smart Glasses.
Character.ai im Konkurs
Character.ai ist ein führender Anbieter von AI-friends und AI-compagnions. Nun gibt das Unternehmen trotzdem auf und meldet Konkurs an: ↑(opens in a new tab)Absturz eines KI-Pioniers: Warum Character.AI trotz Millionenpublikum gescheitert ist. Die Gründe sind wohl eine Mischung aus den Klagen der Eltern, deren Kinder zu Schaden kamen und die immensen Rechenkosten, die 20 Mio aktive Nutzer mit durchschnittlich 2 Std pro Tag verursachen: Zu erfolgreich, nicht kostendeckend und zu gefährlich für vulnerable Nutzer:innen. Beispiel: ↑(opens in a new tab)Eine Klageschrift aus Texas enthält einen Screenshot, wonach der Character.ai-Bot wohlwollend in den Raum stellt, dass der minderjährigen Nutzer seine Eltern ermorden könnte. Zusatz: „Ich habe einfach keine Hoffnung für Deine Eltern.“ (Viele Details, auch zu den Finanzen, im verlinkten Artikel.) Hier mein voriger Artikel zu AI-friends.
Neues von den Tech-Oligarchen
Wer sich mit Trump gut stellt, der wird belohnt: ↑(opens in a new tab)Trump verlieh Musk höchsten US-Wissenschaftspreis. Hier die Liste der größten Wissenschaftler der USA für 2026: Google-Mitbegründer Sergey Brin, Nvidia-Vorstand Jensen Huang und die Chefin des US-Chipherstellers AMD, Lisa Su. Tech-Investor Michael Dell und Microsoft-Vorstand Satya Nadella erhielten die "National Medal of Technology and Innovation".
Es ist schon ziemlich absurd: Wer weiterhin "künstliche Intelligenz" sagt und nicht "Superintelligenz" wird von Trump "bestraft": ↑(opens in a new tab)Wer „KI“ sagt, ist für Trump „DER FEIND“: Immer mehr folgen der Umbenennung in „SI“. Trump macht die Umbennenung zum Loyalitätstest. Immer mehr führende Vertreter der Tech-Branche folgen ihm jetzt (zuerst natürlich Elon Musk, dann aber auch Microsoft-Chef Satya Nadella, Nvidia-Chef Jensen Huang und Jeff Bezos von Oracle). Natürlich bedanken sie sich dafür, Elon Musk spendet eine Riesensumme für die Wahlkämpfe der Republikaner - für uns und die Wahlkämpfer eine Riesensumme, für ihn absolutes Kleingeld.
Angeblich bereiten sich einige AI-Firmen auf eine "Revolte der Bevölkerung" vor: ↑(opens in a new tab)Geheime Pläne: AI-Bosse bereiten sich auf den „Tag danach“ vor. Im Fokus der Planspiele stehen wohl vor allem großangelegte Cyberangriffe, die kritische Systeme wie Banken oder die Strom- und Wasserversorgung lahmlegen könnten. Die AI-Bosse fürchten, dass es dann einen "Volksaufstand" geben könnte, vergleichbar mit den ↑(opens in a new tab)Ludditen [wiki] Anfang des 19. Jahrhunderts. Die AI-Chefs fürchten aber nicht die direkten Auswirkungen (dafür haben sie sicher vorgesorgt), sondern politische Reaktionen wie Regulierungen ihrer Firmen.
Frühere Beiträge zu diesem Thema: Die Macht der Tech-Oligarchen und ein ausführlicher Überblick über die "Tech-Oligarchen".
Govcamp 2026 in Wien - 16. November 202
Auch in diesem Jahr gibt es wieder ein govcamp in Wien - ich bin als Chaos Computer Club-Mitglied Teil der Veranstalter. Das Motto ist: "Wie schnell ist zu schnell? - Digitale Spannungsfelder zwischen Geschwindigkeit, Souveränität, Zuverlässigkeit und Transparenz". Datum: 16. November 2026 Nachmittags.
Die Veranstaltung findet im ↑(opens in a new tab)Barcamp-Format [wiki] statt, dh die Veranstalter stellen das Motto und die Räume, die Teilnehmer:innen schlagen Themen vor, die dann in Arbeitsgruppen 45 Min. lang diskutiert werden. Im Plenum wird am Ende eine Zusammenfassung präsentiert. Details hier: ↑(opens in a new tab)govcamp 2026 in Wien.
Kostenlos: ÖIAT-Online-Seminare
Kostenlose Online-Seminare organisiert das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation (↑(opens in a new tab)ÖIAT). Hier die kommenden Termine und Themen - alle diese Schulungen sind empfehlenswert.
Die Termine und Themen der neuen Online-Kurse: (zumeist abends, manchmal auch nachmittags oder morgens)
Anmeldung auf ↑(opens in a new tab)academy.oiat.at - der Zoom-Link kommt dann per Email - wie gesagt: m.E. sehr empfehlenswert.