242. Newsletter - sicherheitskultur.at - 28. Mai 2026

von Philipp Schaumann

Letzte Ergänzungen 02.06.2026

Themen-Überblick aller Newsletter

 

Hier die aktuellen Meldungen:

1. Video-Fakes werden besser: Google Gemini Omni

Das Thema aus AI-Slop, Deepfakes und der Verlust gemeinsamer Realität wird uns leider noch öfters beschäftigen. Google hat seinen neuen (opens in a new tab)Video-Generator Gemini Omni veröffentlicht und der bekommt Lobeshymnen. Dabei ist das angeblich nur eine 'gebremste Version'. Die Videos sollen sehr gut sein, kaum noch als falsch zu erkennen, aber mit einem Wasserzeichen markiert (mal schauen, wie lange das dauert, bis eine andere KI das wieder entfernen kann).

Grund für die Qualität der Videos soll sein, dass hier zum ersten mal ein Video-Generator mit einem internen Weltmodell (siehe mein voriger Artikel dazu) eingesetzt wurde. Dadurch kann das System physikalische Konzepte berücksichtigen und viele der bisher üblichen Fehler bei der Video-Generierung vermeiden. Angeblich lernt und verbessert das System sein Weltmodell aus den Videos, mit denen es trainiert wurde und die es nun verändern kann.

Wie der oben verlinkte Standard-Artikel berichtet, ist auch dieses AI-System sehr energie-intensiv. Die getestete (eingeschränkte) Version wurde auf der teuersten Abostufe getestet und selbst damit gehen sich nur ein paar Videos pro Tag aus, bevor das Token-Limit ((opens in a new tab)token [wiki]) erreicht ist.

 

2. AI generierte Texte werden immer mehr zum Problem

AI-kritisches Buch mit AI-Hilfe geschrieben

Ingrid Brodnig berichtet über eine weitere Peinlichkeit: Ein Autor schreibt ein Buch über "Wahrheit in Zeiten der KI". Dabei lässt er wichtige Teile des Buches von einer generativen AI generieren und die AI macht, was sie gut kann: sie halluziniert interessante Zitate von Experten, die das aber nicht wirklich gesagt haben, bzw. so nicht sagen würden. (opens in a new tab)Falsche Zitate von KI: "Als hätte ich einen Stock im Arsch".

Literaturpreis für AI-Generierung?

Beim renommierten Literaturpreis der britischen "Commonwealth Foundation" steht der Verdacht im Raum, dass der Gewinner des "Short Story" Preises zumindest teilweise mit Hilfe generativer AI geschrieben wurde. Das ist nicht mit Sicherheit testbar, aber spezielle Formulierungen (wie "Not X, not Y, but Z") und auch Tests durch andere AI-Systeme legen den Verdacht nahe. Diese KI-Detektoren liefern jedoch kein eindeutiges Ergebnis: (opens in a new tab)KI-Verdacht stürzt renommierten Literaturpreis ins Chaos.

Die NY Times berichtet, dass ein ursprünglich im Eigenverlag publiziertes Buch nun in England einen Verlag gefunden hat, aber vieles dafür spricht, dass eine AI-Generierung vorliegt, die die Lektoren nicht gestört hat: (opens in a new tab)A.I. Is Writing Fiction. Publishers Are Unprepared.

Wer viele KI-generierte Bücher sehen will, der:die kann auf Thalia nach (opens in a new tab)'summary of' suchen. Die vielen Bücher, die dort für unter 5€ angeboten werden, sind AI generiert. Die Qualität ist sehr unterschiedlich, wie man durch Herunterladen der kostenlosen Leseproben leicht testen kann. Die Qualität reicht von "vollständigem Geschwafel" bis zu vernünftigen Zusammenfassungen der einzelnen Kapitel des jeweiligen Buches.

AI-generierte Texte auch in Fachdokumenten

Es scheint, dass sich die Aufgaben von Experten vom Schreiben von Dokumenten zur Fehlersuche verschieben werden. Cisco hatte versucht, generative AI für das Schreiben von (opens in a new tab)IT-Sicherheitsberichten einzusetzen. Die Ergebnisse zeigten dabei erhebliche Zeitersparnisse, aber auch kritische Risiken. Die 50% Zeitgewinn wurden mit häufigen inhaltlichen Fehlern, Halluzinationen und der Vermischung verschiedener Datensätze erkauft. Inhalte verschiedener Berichte wurden vermischt, die Nacharbeit war erheblich. Die Frage ist, ob der AI-Einsatz lohnt.

Ernst & Young hatte sich wohl die Mühe der Fehlersuche im AI-Text gleich erspart: (opens in a new tab)Fachbericht zur Cybersicherheit wegen KI-Fehlern zurückgezogen. Die üblichen Probleme: Sowohl Zitate als auch Quellen eines Fachberichts zur Cybersicherheit zu einem großen Teil KI generiert und fehlerhaft.

Aber die LLM-generierten Texte scheinen gut genug zu sein, um tolle Schulnoten zu bekommen. Eine Studie aus USA berichtet, dass die Zahl der College-Studenten, die in 'sprach-orientierten' Fächern mit der Note A abschließen (entspricht einer 1 bei uns) drastisch ansteigen. Da springen viele Schüler von C direkt auf A oder A+. Aber nur in Fächern, bei denen die Noten durch eine Abschlussarbeit bestimmt werden: (opens in a new tab)The ChatGPT era prompts a boom in A-graded coursework.

 

3. SpaceX soll an die Börse

(opens in a new tab)SpaceX [wiki], die Raumfahrtfirma von Elon Musk, soll an die Börse (sagt Musk), dh ein (opens in a new tab)IPO [wiki] ist geplant. SpaceX besteht derzeit aus dem Raumfahrtunternehmen (mit seiner "Falcon-Serie" und der Raumkapsel "Dragon", beide recht erfolgreich.

Bisher noch nicht erfolgreich ist das Großraketenprojekt Starship). Vermutlich mittlerweile profitabel ist wohl das Starlink-Satellitennetzwerk. Verlustbringer sind das AI-Startup xAI und die Social Media Platfform X.

In 2024 schrieb SpaceX noch $791 Mio. Gewinn, aber dann kamen heftige Ausgaben von $20 Milliarden für xAI (mit dem schrecklichen Grok-Chatbot). In den ersten 3 Monaten 2026 schrieb SpaceX fast so viel Verlust wie in ganz 2025: $4,3 Milliarden.

Quelle der Zahlen sind hauptsächlich die Artikel: (opens in a new tab)Space X lässt vor dem Börsengang erstmals tief in seine Karten blicken und jongliert mit Billionen und (opens in a new tab)Musk’s SpaceX Reveals Its Finances for the First Time.

Musk plant einen neuen Börsen-Coup: SpaceX soll nicht einfach nur an die Börse, sondern als die teuerste Firma, die je an die Börse gebracht wurde - "largest IPO in history". Er rechnet mit einer Bewertung von $1750 Milliarden (auf englisch 1,75 trillions), das ist fast das Dreifache des österreichischen Bruttoinlandsprodukts.

Wer die Originaldokumente lesen will, wird evt. (so wie ich) verzweifeln an den Umrechnungen zwischen

Anlass für den Rest dieses Artikels ist ein Beitrag von Gary Marcus: (opens in a new tab)This one weird trick might cost your retirement fund billions. Ich komme beim Nachschlagen der Umsätze und Bewertungen auf andere Zahlen als er, aber der Punkt des Artikels von Marcus bleibt gültig.

Die Frage von Marcus ist, was ein plausibler Firmenwert für eine Aktienfirma sein könnte (Firmenwert = Summe aller Aktien). Firmenwerte für bekannte Firmen finden sich in dieser Wiki-Liste: (opens in a new tab)List of public corporations by market capitalization. Dort finden sich die Werte in "trillion", dh Tausend Milliarden. Die Umsätze muss man dann jeweils bei den Firmenwebsites in der Wiki nachschlagen.

  • Für Microsoft finde ich zum Firmenwert von $3600 Mrd. einen Jahresumsatz von $280 Mrd = Faktor 14.
  • Alphabet/Google hat bei einem Firmenwert von $3800 Mrd. einen Jahresumsatz von $400 Mrd = Faktor 9,5.
  • Musk hat es geschafft, dass Tesla bei einem Jahresumsatz von $95 Mrd. einen Firmenwert von $1600 Mrd. hat (= Faktor 17)
    Diese Tesla-Bewertung ist höher als bei anderen Autobauern mit deutlich höheren Umsätzen (zB (opens in a new tab)Toyota [wiki], dessen Wert, verglichen mit dem Jahresumsatz, bei 1 liegt - siehe (opens in a new tab)Top 20 der Fortune Global 500 [wiki])
  • Nun strebt Musk für die geplante SpaceX-Aktiengesellschaft eine Bewertung von $1750 Mrd. an. Der Umsatz von SpaceX wird für 2025 mit $18.7 Mrd angegeben (bei einem Verlust von fast $5 Mrd). Umsatz zu Bewertung wäre ein Bewertungsfaktor von 92!! Marcus vergleicht Bewertung und Umsatz von SpaceX + Starlink mit anderen Telecom-Unternehmen und kommt auf ca. $700 Milliarden statt $1700 Mrd. Falls Musk wirklich diese riesige Bewertung beim IPO bekommt, so könnte zB der Grund sein, dass die Investoren ihm die Science Fiction-Pläne (siehe unter der Grafik) glauben. ZB, dass eine Besiedlung des Mars in naher Zukunft gelingen könnte (hier meine kritische Bewertung dazu.

    Oder Investoren könnten ihm abnehmen, dass Rechenzentren im Weltall eine gute Idee seien. Hier die Details, warum das nicht der Fall ist: (opens in a new tab)Analyse zerpflückt Pläne für Rechenzentren im All oder von einem Ex-NASA Ingenieur: (opens in a new tab)Datacenters in space are a terrible, horrible, no good idea.

    Dass die Physik gegen seine Pläne spricht, hat er auch schon gehört, deshalb: (opens in a new tab)Musk will mit “neuer Physik” 50-mal mehr KI-Chips bauen als alle Hersteller der Welt. Oder: (opens in a new tab)Elon Musks Halbleiterfertigung: Die Terafab wird ein Tera-Fail mit Ansage. Paul Krugman nennt solche 'kognitiven Verzerrungen' billionare brain.

    Nun könnte man sagen, wer die zukünfigen SpaceX-Aktien kauft, ist selbst schuld. Aber so einfach ist das nicht. Denn der (opens in a new tab)S&P500-Index [wiki] ist (zufälligerweise?) gerade dabei, seine Regeln für die Aufnahme von Firmen in den Index zu ändern. Dies könnte dazu führen, dass SpaceX auf Grund seiner evt. riesigen Bewertung bereits sehr bald eine Rolle im S&P500-Index spielen könnte. Und das betrifft dann alle, die zB einen (opens in a new tab)ETF [wiki] auf der Basis des S&P500-Index haben.

    Oder es könnte die Rentenbezieher treffen, deren Rentenunternehmen in ETFs auf der Basis des S&P500-Index investiert hat (in D und Ö kein großes Thema, aber staatliche Rentensysteme mit Überschuss wie Norwegen und Singapur oder private Rentenzahler (zB Versicherungen auch bei uns) könnten von dieser Überbewertung betroffen sein). Voraussetzung für diese Desaster-Szenarien ist natürlich, dass diese riesige Überbewertung des Börsengangs von SpaceX wirklich so gelingt, wie Musk das plant.

    Auch der Standard berichtet über diese Problematik der kühnen Börsengänge der AI-Firmen (auch OpenAI und Anthropic wollen an die Börse): (opens in a new tab)Space X, Anthropic und OpenAI: Was bedeuten die Mega-Börsengänge für Anleger und Vorsorge? (leider hinter der neuen Bezahlschranke). Auch sie sehen, dass jemand, der einen Fonds auf der Basis von MSCI World, Nasdaq-100 oder S&P500 hat, bei den Spekulationen zwangsläufig dabei sein wird. Alles 3 sind Unternehmen, die viel Geld investieren und noch keinen Plan haben, wie sie je Gewinne schreiben könnten. Allerdings wird ihr Gewicht in den Indizes wegen des geringen Streubesitzes zunächst eher gering ausfallen, das heißt, man kann sich auch wieder entspannen.

    Mittlerweile (Anfang Juni) macht sich eine gewisse Nervosität an den US-Börsen breit: (opens in a new tab)Tech-Konzerne an der Börse: Blanke Nerven und absurde Bewertungen. Hinterfragt werden auch die Kurs-Gewinnverhältnisse von Tesla (siehe oben) oder von Palantir (mit der Konzentration auf 1 Hauptkunden, die US-Regierung, genutzt für die Verfolgung der Ausländer und einem ganz außerordentlichen Preis-zu-Gewinn-Verhältnis).

    Eigentlich sagt mein Bauchgefühl, dass der Einfluss der Tech-Oligarchen auf unser aller Leben bereits groß genug ist.

     

    4. Gefährlicher Komfort von Vibe-Coding

    In meinem Artikel zu Vibe Coding (programmieren mit Hilfe von generativer AI) wurden einige spezifische Warnungen ergänzt. (opens in a new tab)Der gefährliche Komfort von Vibe-Coding. Eine kurze Zusammenfassung: die Qualität der Aufgabenstellung, formuliert durch den Programmierer, entscheidet über die Qualität des erstellten Programms. Viele AI-generierte Programme sind wohl bereits im aktiven Einsatz und exponieren sensible Daten. Der Autor beschreibt in einem recht technischen Artikel, dass ein Sicherheitsforscher eine Stichprobe von 670 deutschsprachigen Websites untersucht hat und in fast jeder zweiten waren Datenbank-Zugriffe möglich, die sensible Daten preis gegeben haben. Der Autor hat den Verdacht, dass zumindest bei einigen der Fälle Vibe-Coding im Spiel war.

    Er schreibt: Vibe-Coding ist nicht automatisch fahrlässig. Es kann Entwürfe beschleunigen, Einstiegshürden senken und kleinen Teams helfen, Ideen früher zu testen. Der Fehler beginnt dort, wo ein Prototyp wie ein fertiges Produkt behandelt wird. Sobald echte Konten, echte Dateien und echte Zahlungs- oder Profildaten im System liegen, reicht ein funktionierender Bildschirm nicht mehr aus". Dh, dann muss ein "Wissender, der sich mit Datenbanksicherheit auskennt, Sicherheitsfeatures wie (opens in a new tab)Row-Level-Security per Hand aktivieren.

    In einem anderen Newsletter hatte ich über die Absurdität berichtet, dass eine Reihe von Firmen ihren Entwicklern erheblichen Druck zur Nutzung generativer AI machen, Stichwort Token Maxxing. Und an anderer Stelle wurde berichtet, dass die (Energie-)Kosten für die Anbieter stark zunehmen und sie darum die Preise teilweise drastisch erhöhen. Dadurch werden die AI-Kosten auch für viele Unternehmen sehr kostspielig.

    Die Community der Software-Entwickler / Programmierer ist ziemlich ambivalent was die intensive Nutzung von generativer AI betrifft. Bei einem Event in London trafen sich die Fans: (opens in a new tab)Anthropic’s Code with Claude showed off coding’s future—whether you like it or not. Bei "Code with Claude" trafen sich die Fans. Eine Frage an das Publikum war, wer bereits ein Projekt abgegeben hätte, das vollständig mit Claude erstellt wurde. Die Hälfte hob die Hand. "Und wer hat vorher vollständig auf eine manuelle Überprüfung verzichet?" Fast genauso viele.

    Anthropic versicherte den Teilnehmern, dass genau das die Zukunft sei - Claude Code werde immer sicherer und besser, auch darin, fehlerfreie Programme zu generieren. Das sei zumindest das Ziel von Anthropic.

    Aber nicht alle Programmierer sind davon überzeugt und die derzeitig genierten Programme scheinen nicht alle sicher zu sein. (opens in a new tab)Auch Führungskräfte unzufrieden: KI-Code führt vermehrt zu Produktionsausfällen. Die Geschwindigkeit der Erzeugung von KI-Code hat die Kapazitäten der Qualitätssicherung überholt. 81% der Befragten berichteten von Problemen in der Produktion, die mit KI-generiertem Code zusammenhängen. Oft handele es sich um Funktionsfehler, Performance-Probleme und Sicherheitslücken, die erst nach der Bereitstellung auftraten.

    Aber auch einige (opens in a new tab)Entwickler sind frustriert und beklagen Mehrbelastung. Als besonders zeitintensiv und frustrierend beschrieben Entwickler die Überprüfung von KI-generiertem Code, der häufig fehlerhaft sei. Hinzu komme die Befürchtung, dass eigene Fähigkeiten verloren gehen könnten.

    Ein anderer Artikel versteht, warum die Vibe Coder auf der Anthropic-Veranstaltung sich den AI-generierten Code nicht mal angesehen haben: (opens in a new tab)Why reviewing AI-generated code is devilishly hard. Der Autor führt psychologische Gründe an, warum es sehr schwer ist, AI-generierten Code auf Korrektheit zu untersuchen und verlinkt auf die entsprechenden Studien.

    Wie auch bei Programmen, die von anderen Menschen erzeugt wurde, ist sehr mühsam, ein fremdes Programm zu verstehen. Selbst wenn man nach einiger Mühe glaubt, die fremde Logik verstanden zu haben, kann man nie ganz sicher sein. Eine weitere Falle ist die offenbare Plausibilität des LLM Codes. Wenn ein Programmierexperte den Code eines Anfängers ansieht, so gibt es viele kleine Hinweise im Code auf mögliche Probleme. LLM Code sieht immer perfekt aus, die Lösung erscheint immer plausibel.

    Auch das hier klingt nach einer Web-Anwendung, die durch generative AI erzeugt wurde und nie getestet: (opens in a new tab)Trump-Phone-Bestellseite soll löchrig wie Schweizer Käse sein. Die Daten aller bisherigen Kunden können ausgelesen werden.

     

    5. 'Enhanced Games', die Doping-Spiele der Tech-Milliardäre

    Der Artikel: (opens in a new tab)Die Doping-Games der Tech-Milliardäre bringt interessante Zusammenhänge zwischen den Sport-Wettbewerben in Las Vegas, bei denen alle 'Enhancement'-Produkte erlaubt sind, die von den Sponsoren vertrieben werden und den Tech-Oligarchen mit ihren Transhumanismus-Ideen. Hintergrund: Erlaubt sind alle Produkte, die zur Behandlung von spezifische medizinische Indikationen für den US-Markt zugelassen sind und von den Sponsoren vertrieben werden, eine große Verkaufsshow.

    Aus dem Artikel:
    Hinter den Enhanced Games steht eine ganze Reihe reicher Geschäftsleute: Neben dem Gründer Aron D‘Souza ist etwa Peter Thiel dabei, Board Chair von Palantir, der Demokratie und Freiheit für unvereinbar hält, sich eine uneingeschränkte Herrschaft von Technologiekonzernen wünscht und den Vizepräsidenten J.D. Vance ins Weiße Haus gebracht hat. Oder der indische Investor Balaji Srinivasan, der die US-Technologiebranche gerne aus den USA herauslösen würde, als eine Art „online Network-State“. Zu Peter Thiel hat Srinivasan enge Verbindungen – wie auch zum rechtsextrem-libertären Vordenker Curtis Yarvin.

    Auch Donald Trump Junior hat geholfen, die Enhanced Games zu finanzieren: Für ihn passen die Spiele perfekt zur MAGA-Bewegung seines Vaters – schließlich geht es um „Exzellenz, Innovation und die amerikanische Vorherrschaft auf der Weltbühne“, erklärte er. Mit dabei ist auch der deutsche Investor Christian Angermayer, der sich mit Transhumanismus und Longevity-Forschung beschäftigt.

    Beim Transhumanismus geht es ja darum, die Beschränkungen, die die Natur uns auferlegt hat, zu überwinden. Zuerst mit Doping, dann aber auch mit genetischem Umprogrammieren und 'Designer-Babys'. Die Spiele sind ein erster Schritt, mit diesem Ideen eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen und außerdem viel Werbung für die Enhancement-Produkte zu machen.

    Dazu passt zB (opens in a new tab)Embryo scoring, das Testen mehrerer Embryos auf Eigenschaften, die man glaubt in den Genen identifizieren zu können und dann das Einsetzen des 'besten' Embryos in die zukünftige Mutter.

     

    6. Ergänzungen früherer Beiträge

    Neue Scam Zentren

    Der Kampf gegen die Scam Lager in Myanmar und Thailand hat weitere Auswirkungen, aber wenig positive. In Indonesien wurden neue Scam Zentren 'aufgebaut': (opens in a new tab)Indonesia emerges as a new hub for cyber scams. Die Behörden haben einige Scam Zentren entdeckt und ausgehoben, es gab fast 900 Verhaftungen. Hintergrundinfos zum Scam Thema in meinem früheren Beitrag.

     

    Smart Glasses bei Beeinträchtigungen

    Meta berichtet über vorhandene oder geplante Barrierefreiheitsfunktionen seiner Smart Glasses: (opens in a new tab)Metas KI-Brillen helfen Blinden im Alltag – und werfen neue Fragen auf.

    Menschen mit Sehbehinderung können sich mittels Sprachbefehlen wie „Beschreibe, was sich um mich herum befindet“ ihre Umgebung beschreiben lassen, sowohl Innen wie auch im Freien. Auch Schilder, Öffnungszeiten oder Speisekarten können, wenn die Schrift groß und deutlich genug ist, vorgelesen werden.

    Das französische Start-up OOrion bietet über eine kostenlose Smartphone-App für blinde und sehbehinderte Menschen auch erweiterte Funktionen, zB eine Echtzeitanalyse der Umgebung und kann etwa darauf hinweisen, wenn auf der Straße eine bestimmte Hausnummer erreicht ist. OOrion nutzt dafür Objekt- und Texterkennung, um blinden Nutzern bei der Orientierung, der Erkennung von Hindernissen und beim Auffinden von Gegenständen zu helfen. Aber die KI macht immer noch Fehler und halluziniert manchmal, daher dürfen sich blinde Nutzer nicht allein auf diese Anwendung verlassen. Um mehr Sicherheit zu haben kann über einen 'Be-My-Eyes'-Sprachbefehl ein Helfer aktiviert werden, der das Kamerabild der Brille sieht und dem Nutzer beschreibt, was sich vor ihm befindet.

    Für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen gibt es, derzeit nur in USA, Echtzeit-Untertitel für Telefonate über WhatsApp, Messenger und Instagram im Brillendisplay.

    Aus Sicht des Datenschutzes wurde von Teilnehmern an dieser Präsentation kritisiert, dass alle Daten, inkl. den Bildern und Gesichtern auf US-Servern verarbeitet und bestimmt auch gespeichert werden. Hier zu meinem Artikel zu Meta Smart Glasses. Dort wurden nun auch Hinweise auf Konkurrenzprodukte eingefügt.

     

    Peter Thiel bei den Wiener Festwochen

    Über Thiels eigenartigen Anschauungen und seine politischen Ansichten habe ich ja bereits oft berichtet. Nun wird bekannt, dass der Wiener Festwochen Intendant Milo Rau Peter Thiel für eine Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Festwochen nach Wien holt: (opens in a new tab)Der US-Tech-Milliardär und Trump-Förderer soll bei einer Veranstaltung sein umstrittenes Weltbild präsentieren. Natascha Strobl erklärt hier, (opens in a new tab)warum das keine gute Idee ist.

    Aktualisierung:
    (opens in a new tab)Das Management der Wiener Festwochen sagt Auftritt von Peter Thiel ab. Intendant Milo Rau begründete die Absage an Thiel damit, dass viele andere Künstler sonst abgesagt hätten. Aber der Schaden ist eh bereits entstanden: (opens in a new tab)Die misslungene Entzauberung des Demokratiefeindes Peter Thiel. Die demokratie-feindlichen Themen haben eine breite Bühne bekommen. 😢 Noch ein Kommentar: (opens in a new tab)Festwochen-Ausladung: Milo Raus Stunt ist daneben gegangen, Thiel gewinnt.

     

    Musk gegen Altman, bizarr

    Die Jury hat nun im Prozess Musk gegen OpenAI entschieden: (opens in a new tab)Die Klage wurde abgewiesen, sie wurde zu spät eingereicht, die Sache sei verjährt. Im vorigen Newsletter gibt es mehr Details zum Prozess.

    Aber eines ist klar: Diese Schlammschlacht lässt beide Seiten, (opens in a new tab)Musk und Altman, noch ramponierter zurück. Und das ist bei diesen beiden Exponenten durchaus eine Kunst, beide waren bereits für ihren 'kreativen Umgang mit Fakten' bekannt. Der Standard schreibt: "Die Demontage der glänzenden Fassade des Silicon Valley ist den Streithanseln vorzüglich gelungen".

     

    Mehr zu Jeff Bezos

    Meinen ausführlichen Artikel über Jeff Bezos im vorigen Newsletter habe ich mit einer weiteren Episode ergänzt. Paul Krugman berichtet, dass Jeff Bezos ein ausführliches Interview bei CNBC über das Thema Steuern gegeben hat und sehr viel Unwissenheit gezeigt hat. Krugman diagnostiziert dazu, was er 'billionaire brain' nennt: Menschen mit so viel Geld glauben, weil sie so reich und erfolgreich sind, wüssten und verstehen sie 'eh alles'.

     

    Die Überwachungstechnologien boomen, speziell in den USA

    Traurige Ergänzungen im Artikel zu ICE und dem Einsatz von immer mehr Überwachungstechnologien.

     

    Generative AI wird die Herausforderung Krebs nicht lösen

    Vor einiger Zeit hatte ich versucht, die verschiedenen Arten von Artificial Intelligence voneinander zu trennen. In der Öffentlichkeit sind es meist die generativen Systeme wie Sprachmodelle (= LLM), Bildgenerierung und Videogenerierung, die als Künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence) bezeichnet werden. Damit vermischt werden dann oft die anderen Systeme, die ebenfalls auf sog. künstlichen (opens in a new tab)Neuronalen Netzen [wiki] beruhen, wie zB medizinische Bilderkennung, Mustererkennung in vielen Forschungsgebieten, Proteinfaltung, Schach-, Go- und andere Spiele.

    In einem Posting des Center for Humane Technology wird auf eine Verwirrung hingewiesen, die aus der Vermischung der AI-Typen entsteht: (opens in a new tab)No, Superintelligence Won’t Cure Cancer. Der Artikel wendet sich gegen Versuche der Chefs von AI-Unternehmen, die riesigen Investition für ihre Rechenzentren damit zu rechtfertigen, dass ihre Sprachmodelle, wenn sie denn nur genügend gross sind, alle Probleme der Welt lösen werden. ZB die Klimakatastrophe reparieren (an der sie durch ihren Resourcenverbrauch kräftig mitwirken). Und sie werden angeblich auch das "Krebsproblem" lösen: Sam Altman in 2024: “We are working to build tools that one day can help us make new discoveries and address some of humanity’s biggest challenges, like curing cancer”. Oder Demis Hassabis in 2010: “First solve intelligence, then use intelligence to solve everything else”.

    Der Fehler in dieser Logik ist, dass es diesen Firmen um die Sprachmodelle wie Claude, Gemini oder ChatGPT geht, die den Markt dominieren, einen gigantischen Energieverbrauch haben und angeblich der Schlüssel zu einer allgemeinen Super-Intelligenz sind, die alle Probleme der Menschheit löst - ob dies der richtige Weg ist, daran gibt es jedoch erheblichen Zweifel. Dazu fehlt diesen generativen Systemen das logische Denken.

    Die wirklichen medizinischen Forschungen und die medizinische Diagnostik wird jedoch durch die andere Art von AI geleistet: die für spezifische Aufgaben trainierten künstlichen neuronalen Netze, zB für Bild- oder Mustererkennung. Solche Systeme verbrauchen viel weniger Energie und um Größenordnungen weniger Forschungsgelder. Viele Details im oben verlinkten Artikel.

     

    Zwei weitere AI Assistenten gekündigt

    Im früheren Beitrag zu AI Assistenten im realen Einsatz wurde ergänzt, dass Starbucks und Pizza Hut ihre Experimente mit automatisierten Agenten wieder eingestellt haben: zu unzuverlässig.

     

    Drei Wochen ohne Handy: Jedes fünfte Kind hatte weniger Schlafstörungen

    Ergänzt beim Bericht zum Handyentzugs-Experiment: Die wissenschaftliche Auswertung des Handyexperiments: (opens in a new tab)Drei Wochen ohne Handy: Jedes fünfte Kind hatte weniger Schlafstörungen.

     

    Digitale Souveränität für Europa

    Einige Ergänzungen beim „Digital Independence Day“: Zum Einen gibt es lobenswerte Aktivitäten in Brüssel und auch in Deutschland und Frankreich um von MS Office unabhängiger zu werden. Das andere Thema ist eine Zusammenstellung (opens in a new tab)European alternatives for digital products. Bei einer Reihe von IT-Lösungen ist der Umstieg auf europäische Lösungen nicht wirklich einfach, aber es gibt ein paar simple Umstiege.

    Ganz trivial ist der Wechsel zu europäischen Suchmaschinen, keinerlei Umstellung ist da zu machen außer den Such-Settings im Browser. Etwas komplizierter ist der Wechsel zu einem europäischen Mail-Anbieter. Ich bin den einfachen Weg gegangen: Ich habe meinen hotmail-Account behalten (genutzt lange bevor hotmail von Microsoft gekauft wurde) und habe nach und nach, über lange Zeit, meine Email-Adressen bei den Hunderten von Diensten (Meine entsprechende Liste findet sich in meinem Passwort-Safe) auf die neue europäische Adresse (mailbox.org) geändert.

    Der zumindest teilweise Umstieg zu LibreOffice (oder OpenOffice) kann schrittweise passieren, auf einem meiner Rechner habe ich eine alte MS Office-Version falls die Kompatibilität notwendig ist. Natürlich nutze ich Irfan-View für Bildbearbeitung und VLC zum Videos anschauen.

    Cloudspeicher sind herausfordernder: da gibt es den ausführlichen Bericht (eines Lesers der sicherheitskultur) zu einer selbst-gehosteten Nextcloud, aber das ist m.E. nichts für Menschen, die keinen IT-Hintergrund haben. Ich habe (neben meinem IT-Hintergrund) einen einfacheren Start: Mir hilft, dass ich mit der sicherheitskultur.at sowieso eine Website betreibe, die Aktivierung von Nextcloud ist bei meinem Hosting-Anbieter mit ganz wenig Aufwand verbunden.

    Ergänzung Juni 2026:
    Das geht in die richtige Richtung: (opens in a new tab)EU-Parlament: Google wird als Standard-Suchmaschine durch Qwant ersetzt. Das Europäische Parlament ersetzt Google als Standard-Suchmaschine auf den Computern im Haus durch die französische Alternative Qwant.

     

    Humor (?): PwC zur Moon-Economy

    Als Ergänzung zum obigen Beitrag zu den ehrgeizigen Plänen von SpaceX auf Mond und Mars: New Scientist, in ihrem englischen Humor, berichten, dass Beratungsfirma (opens in a new tab)PwC [wiki] sich über die (opens in a new tab)Größe einer zukünftigen Mond-Wirtschaft Gedanken macht: (opens in a new tab)Lunar market assessment - Building the Lunar economy: Sectorial forecasts and market opportunity. Es geht um die Abschätzung, welche Umsätze auf dem Mond von 2026 bis zum Jahr 2050 zu erwirtschaften sein werden. Zitat: “The total cumulative revenues expected from lunar surface activities between 2026 and 2050 are projected to be in the order of $93.9 [billion] to $127.3 [billion]. Dh rund 100 Milliarden US$. Das erschien New Scientist recht ehrgeizig, wenn man bedenkt, dass der Markt in 2026 und auch in den nächsten Jahren bei Null liegt.

    Aber dann fiel New Scientist auf, dass dies ja bereits die zweite Prognose zu Umsätzen auf dem Mond ist. In 2021 kamen die Ökonomen von PwC mit ihren (opens in a new tab)wissenschaftlichen Berechnung bereits auf $170 Milliarden, und das bereits bis 2040. Es scheint, dass der Optimismus der Ökonomen deutlich geschrumpft ist. Weiß Elon Musk das? 😆

     

    Kostenlos: ÖIAT-Online-Seminare

    Kostenlose Online-Seminare organisiert das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation ((opens in a new tab)ÖIAT). Hier die kommenden Termine und Themen - alle diese Schulungen sind empfehlenswert (ich nehme an vielen davon Teil).

    Die Termine und Themen der neuen Online-Kurse: (zumeist abends, manchmal auch nachmittags oder morgens)

  • 2. Juni | Webinar: Smartphone, Tablet & Co sicher nutzen (abends)
  • 9. Juni | Webinar: So bezahlen Sie sicher im Internet (abends)
  • 16. Juni | Webinar: Soziale Netzwerke als tägliche Begleiter (abends)
  • 23. Juni | Webinar: Selbstdarstellung, Schönheitsideale & Vorurteile in digitalen Medien (abends)
  • 15. Sept. | Webinar: KI verstehen: Grundlagen und Herausforderung (abends)
  • Anmeldung auf (opens in a new tab)academy.oiat.at - der Zoom-Link kommt dann per Email - wie gesagt: m.E. sehr empfehlenswert.