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Verwandte Themen

An anderer Stelle berichte über mehr über Kinder und Social Networks, z.B. ab wann dürfen Kinder in Social Networks und wann sind sie alt genug für ein eigenes Smartphone?

Der Spezialfall Kinderfotos in Social Networks hat wiederum ein eigenes Kapitel.

Und ich schreibe über Hilfe bei Bullying und Stalking.

Viele Details zum Tracking und Spuren im Internet gibt es an anderer Stelle.

 

 

Spyware und Spy-Apps in der Familie und Beziehung

Philipp Schaumann - Letzte Aktualisierung: Sept. 2018

Spyware und Spy-Apps zum Tracking der (Ex-)Partner

Die Smartphones haben unser Leben grundlich verändert und bieten tolle Bequemlichkeiten. Leider bieten sie aber böswilligen Menschen auch tolle Möglichkeiten, Schaden anzurichten. Smartphones sind Computer, die wir immer bei uns tragen und die mit einer riesigen Menge von Sensoren ausgestattet sind. Wenn es jemand schafft, diese Sensoren heimlich zu aktivieren und über die Smartphone-Verbindungen deren Daten weiterzuleiten, so ist das Opfer dieser Aktivierung ziemlich transparent und offen.

Genau dafür gibt es eine große Menge Spionage-Apps für Handys. Darüber werden Standortdaten, Chat-Verläufe, Fotos und Gespräche des Opfers in Echtzeit überwacht.

Der oben verlinkte Artikel berichtet über eine ganze Reihe von Anbietern solcher Apps. Der Markt besteht aus Eltern die ihre Kinder überwachen wollen (zum Schutz der Kinder), aber auch Partner und Ex-Partner die eifersüchtig sind und vielleicht sogar überwachungssüchtige Arbeitgeber die auf diese Weise ihre Mitarbeiter kontrollieren wollen. Mit wenigen Ausnahmen, wie z.B. beim Tracking der eigenenen (!!) Kinder sind solche Überwachungen illegal, bzw. erfordern bei Arbeitnehmern die Zustimmung des Betroffenen.

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Test einer Tracking-App

Die Journalisten von golem.de haben sich eine Tracking-App installieren lassen: Flexispy. Zielpublikum ist wohl hauptsächlich die Überwachung von Beziehungspartnern, die Software wird pro Monat oder pro Jahr gemietet. Sie kann je nach Preis unterchiedlich tief in die Privatsphäre des Opfers eindringen und ist natürlich ohne Zustimmung des Abgehörten illegal (bis zu 2 Jahre Haft). Die Basis-Version kann zahlreiche Messenger abhören und den Standort weiterleiten. Die "Extreme"-Version ist teurer und kann auch Gespräche abhören, sie läuft aber nur auf Android und auf iPhones bis iOS 9.1. Auf Android muss für die Basis-Version "Play Protect" abgeschaltet sein. Wenn das Opfer dies wieder aktiviert, funktioniert die Abhör-App nicht mehr.

Wie kommt die App auf das Smartphone? Bei Kindern und Mitarbeitern von Firmen ist das einfach: die App wird vor der Übergabe an das Kind oder den Mitarbeiter einfach installiert. Diese Apps schaffen es sehr oft, nicht in der Übersicht der Apps angezeigt zu werden. Die heimliche Installation auf dem Gerät eines Partners oder Ex-Partners ist nicht ganz so einfach. Dafür braucht der Angreifer den physischen Zugriff auf das Gerät und den Entsperrcode, was bei Partnern meistens kein Problem darstellt, da das Gerät oft unbeaufsichtigt herumliegt (z.B. beim Duschen) und die Weitergabe des Entsperrcodes (sofern überhaupt gesetzt) in vielen Partnerschaften als (unglücklicher) Vertrauensbeweis gilt.

Was kann der Angreifer auslesen? Das hängt von der Software (und manchmal auch von der Bezahlung) ab. Technisch kann auf (fast) alles zugegriffen werden was auf dem Gerät passiert: Standortdaten aufgenommene Töne, Bilder und Videos, Kontakt- und SMS-Datenbanken, die Anrufhistorie mit ein- und ausgehenden Nummern, Daten aus der Kalender-App sowie Browser-Verläufe und Bookmarks. Da die App Zugriff auf Mikrophone und Kamera bekommt, können auch Gespräche abgehört werden. Wenn das Gerät "gerootet" ist, dann geht noch viel mehr.

Bei Android wird das die Software (d.h. das APK-Paket) entweder via USB oder über den Download mit dem Browser installiert. Erforderlich ist auf jeden Fall der physische, entsperrte Zugang zum Gerät. Die Anbieter erläutern mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen, welche Sicherheitsbarrieren und Stealth-Modi aktiviert werden müssen, damit die App nicht sofort vom Betriebssystem entdeckt wird. mSpy nutzt auf iPhones ohne Jailbreak zur Datenausleitung das iCloud-Backup. Der Angreifer muss also die Apple-ID und das Passwort des Opfers kennen und iCloud-Backup heimlich aktivieren.

Und immer wenn man denkt, es könne nicht schlimmer kommen, dann gibt es noch was Neues. Der Artikel "Terabytes an Daten" aus Spionage-Apps frei zugänglich berichtet darüber, dass schlimmstenfalls nicht nur der Stalker Zugriff auf diese sehr persönlichen Daten hat, sondern natürlich üblicherweise auch die Firma die die App anbietet. Und wenn die nicht so ganz sicher unterwegs ist, so können sich diese Daten auch schon mal im öffentlichen Internet wiederfinden.

 

Wie kann man sich gegen solche Überwachungen durch Partner und Ex-Partner schützen?

Der Angreifer braucht 2 Sachen: er/sie muss das Gerät in die Hand bekommen, zumindest für 1 Minute und muss den Entsperrcode kennen.

Theoretisch ganz einfach: Jedes Smartphone ist gesperrt und der Partner kennt den Code nicht. So was kann natürlich als Misstrauensbeweis gewertet werden und außerdem ist das Entsperren bei einem 4- oder 6-stelligen Pin nicht wirklich schwer zu knacken, wenn man es beim Partner hundertmal gesehen hat. Wenn man Angst hat, dass jemand den Pin kennt, so sollte man ihn ändern - spätestens dann, wenn es in einer Beziehung krieselt und der Partner zu Eifersucht neigt.

Außerdem sollte man sein Smartphone nicht rumliegen lassen, z.B. in der Kneipe oder wenn man auf einer Party ist und man zur Toilette geht. Männer haben dafür Hosentaschen, eine Frau im Kleid muss schauen, wo sie das Gerät hintut. In die Handtasche stecken die dann bei den Anderen zurückbleibt ist keine sichere Aufbewahrung.

Wie kann man sich wehren? Der Artikel sagt, dass sei nicht einfach. Wenn das Opfer zur Polizei geht, so muss das Handy dort für eine Untersuchung übergeben werden, ob man das möchte ist eine andere Frage. Wenn dann die illegale Software gefunden wird, so ist dies kein Beweis, dass eine bestimmte Person diese App installiert hat, da steht dann Aussage gegen Aussage.

 

 

 

Spyware und Spy-Apps zum Tracking der Kinder durch Smartphones und Wearables wie Smart-Watches

Das Leben der Kinder ist im 21. Jahrhundert immer technisierter geworden. An anderer Stelle schreibe ich über die Problematik der smarten Puppen und anderer Spielzeuge (oder Nanny-Cams), die alle Äußerungen der Kinder ins Internet tragen und manchmal auch eine Kamera haben, die (manchmal auch unbefugt und von der Ferne) aktiviert werden kann.

In diesem Artikel geht es um die Überwachung (oder neu-deutsch: das Tracken) der eigenen Kinder mittels smarter Geräte. Der Standard berichtet in einem langen Artikel über die Problematik: Tracking-Apps: Big Mother is watching you. Wie die Autorin im ersten Satz schreibt: Es ist ein schmaler Grat zwischen Fürsorge und Kontrollwahn, wenn Eltern zu elektronischer Überwachungstechnik greifen. Anlass des Artikels war für die Autorin ein Auslandsaufenthalt der eigenen Kindern in den USA, bei denen die Kinder mit dem durchgehenden "Überwacht-Werden" der US-Kinder konfrontiert wurden. Für alle, die mit dem Gedanken spielen, sei der ganze Artikel empfohlen.

Juristisch ist das in Europa (ab einem gewissen Alter der Kinder) nur erlaubt, wenn das Einverständnis der Kinder vorliegt. Illegal (und außerdem unethisch) wird es auf jeden Fall, wenn die Apps nicht für "informierte Kinder" sondern für den Beziehungspartner eingesetzt werden, auch so etwas soll ja vorkommen. Der Artikel schreibt:

    Auf der Kinderrechte-Seite des österreichischen Familienministeriums ortet die Projektgruppe "digikids" dringenden Handlungsbedarf: "Nachdem Kinder und Jugendliche zu einer Hauptzielgruppe global agierender Online-Unternehmen geworden sind, deren Geschäftsmodelle dem geltenden europäischen Datenschutzrecht widersprechen, stellt sich die intensive Stärkung des datenschutzrechtlichen Schutzniveaus als vordringliche Aufgabe dar."

Das ist sicher schön gesagt. Die Autorin im Standard ist aber auch aus erzieherischen Gründen beunruhigt: "Wer in das Leben seines Kindes kein Vertrauen setzt, wird sehr wahrscheinlich einen Erwachsenen ohne viel Selbstvertrauen ins spätere Leben entlassen. . . . Kinder übermäßig kontrollierender Eltern sind in späteren Jahren häufiger depressiv und leiden eher unter Angstzuständen. Zu diesem Ergebnis kam zumindest eine Studie, die bereits 2013 von der University of Mary Washington in Virginia veröffentlicht wurde."

Die Autorin berichtet auch über das soziale Leben der Jugendlichen, visualisiert z.B. auf Snapchat Map. Dort werden auf einer Karte die augenblicklichen Aufenthaltsorte ihrer Freunde angezeigt. Die Kinder gewöhnen sich daran, immer transparent zu sein. Warum akzeptieren die Kinder das: "Aber man kann es abdrehen! Und es sind Freunde – nicht Eltern!" Na dann!

2018: Teensafe nicht save

Teenager-Überwachungsdienst Teensafe veröffenlicht alle Apple-ID Daten. Diese Firma bietet einen Spionagedienst, mit dem Eltern die iOS-Geräte ihrer Kinder überwachen können und speichert die Apple-ID-Zugangsdaten auf einem Server der im Internet leicht zu erreichen ist.

Alles was man fremden Rechnern anvertraut, das geht mit einer guten Wahrscheinlichkeit auch irgendwann mal verloren.

Wie das Tracken der Kinder technisch umgesetzt werden kann, das zeigt 2018 das Projekt "Schutzranzen". Im Schulranzen der Kinder ist ein Gerät mit GPS, das den Standort der Kinder ständig verkündet. Autofahrer sollen sehen, wenn sich Kinder in der Nähe befinden und eine App ermöglicht es Eltern, ständig zu wissen, wo sich ihre Kinder gerade aufhalten. Laut dem Bürgerrechtsverein Digitalcourage werden die Positionsdaten der Kinder über eine "schlecht geschützte" Cloud an Eltern, Navigationssysteme und Smartphone-Apps für Autofahrer übermittelt. Die Systeme sind zu Beginn 2018 in Wolfsburg und Ludwigshafen im Einsatz. Das Projekt ist m.E. extra gruselig. Autofahrer müssen sich auf spielende Kinder auch dann einstellen, wenn diese keine Tracking-Geräte mit sich tragen. Und im Gegensatz zu dem sonstigen Tracking der Kinder durch die eigenen Eltern geht es ganz bewusst darum, dass die Kinder auch für Autofahrer (und andere Interessierte) trackbar werden. Kinder werden zu Objekten im Internet der Dinge.

Und wie gehen die Kinder in den USA damit um: "Wer etwas "Verbotenes" vorhat, lässt das Handy einfach in der Schule oder wo auch immer die eigenen Eltern in Sicherheit wiegen. Manche lassen sich Anrufe oder Nachrichten dann auf die Phones von Freunden umleiten. Easy, oder?" Oder auch so: "wenn die Kids ihren technisch weniger versierten Eltern die Handys installieren [dann ist da] in Nullkommanichts so eine App installiert, die dann den Kindern sagt, wo sich die Eltern befinden und die Kinder warnt, bevor die Eltern nach Hause kommen.

Hier der Link auf eine US-Studie zu diesem Thema: Parents, Teens and Digital Monitoring

Nur ganz am Rande zum Thema ein anderer Standard-Artikel: Immer mehr junge Menschen wachsen auf, ohne mit der belebten Umwelt in Berührung zu kommen.

Hier jetzt ein Überblick über Tracking-Geräte. Das reicht von Apps für Smartphones, über GPS-Tracker die am Gürtel getragen werden bis zu Smart-Watches. Vor Smart-Watches warnt der Norwegian Consumer Council. Sie haben solche Geräte untersucht und (für alle die das Internet of Things ein wenig beobachten) ist das Ergebnis wenig überraschend: So können auch Fremde die Bewegungen der Kinder verfolgen. Ob dies jetzt dem Sicherheitsgefühl der Eltern wirklich hilft ..... (der volle Report findet sich unter Analysis of smartwatches for children (PDF) ).

 



Philipp Schaumann, http://sicherheitskultur.at/


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