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Bedeutung von IT

 

 

Does IT matter?

Reprint von "Bull Bulletin Juli 2003"

Der Artikel von Nicholas Carr und Gedanken dazu

Im Mai 2003 erschien in der Harvard Business Review ein Artikel von Nicholas Carr, in dem er die These aufstellt, dass IT Infrastruktur eine Commodity ist, so wie die Eisenbahn und elektrischer Strom. Und da Commodities allen Martkteilnehmern in gleicher Weise und gleich preisgünstig zur Verfügung stehen, könnte IT nicht mehr als Business Differentiator gegen die Konkurrenz eingesetzt werden. Er zieht daraus einige Folgerungen und hat damit heftige Reaktionen hervorgerufen.

Seine 3 Schlussfolgerungen sind:

  • Spend less
  • Follow, don't lead
  • Focus on Risk, not Opportunities
    ganz wichtig ist, dass die IT-Anwendungen immer verfügbar sind, d.h. Konzentration auf Business Continuity.

 

In den nachfolgenden Zeilen finden Sie die persönliche Einschätzung dazu von unserem Security Consultant Philipp Schaumann:

  • IT Hardware, Betriebssysteme, Netze, Entwicklungsumgebungen, Middleware, einfache Standard IT-Anwendungen (Office), .... sind heute Commodity und bieten keine Differenzierungsmöglichkeit für das Business
  • Die Entscheidung über den Einsatz von Produkten wie Oracle 9i oder SAP selbst bietet auch (noch) keine Differenzierungsmöglichkeit
  • Auch der Einsatz neuer Computersprachen und Entwicklungsumgebungen macht keinen wirklichen Unterschied

entscheidend ist jedoch der Grad der Integration in die Geschäftsprozesse:

  • Die jeweilige Implementierung von Business-Anwendungen, basierend auf Commodity-Technologien, bietet sehr wohl reichlich Differenzierungsmöglichkeiten.
  • Es ist entscheidend, WIE GUT ich in der Lage bin, meine Geschäftsprozesse durch die IT-Anwendungen
    • zu beschleunigen
    • benutzerfreundlicher zu gestalten
    • zu rationalisieren
    • zu vereinfachen

Die Differenzierung liegt im verbesserten Geschäftsprozess, nicht in den Mitteln, mit deren Hilfe ich den Prozess verbessert habe (diese sind heute sehr wohl Commodity).

Wert und Gefahr der Commodities:

aber
Nicht-Verfügbarkeit von IT- und Netz-Infrastruktur schafft aber sehr wohl NEGATIVE Differenzierung

Siehe auch: http://www.nicholasgcarr.com/articles/matter.html

 

Aktualisierung März 2007:

Ein 69 Seiten Report der Information Technology and Innovation Foundation beschäftigt sich mit dem Thema Digital Prosperity - Understanding the Economic Benefits of the Information Technology Revolution. Sie kommen zu dem Schluss, dass in der IT selbst nur wenige zusätzliche Arbeitsplätze entstehen werden, aber dass der Einsatz von IT zu einer deutlichen Produktivitätserhöhung führt. Dieses Ergebnis bleibt jedoch nicht unwidersprochen. In der NY Times (March 13, 2007) wird berichtet

    The report cites studies to back its assertion of outsize productivity benefits, but many economists are not convinced. “It could be that investments here pay off more than other investments, but the evidence is still not in, in my view,” said Robert E. Litan, an economist and director of research and policy at the Ewing Marion Kauffman Foundation.

 

Aktualisierung Oktober 2007:

Nicholas Carr hat schreibt übrigens einen recht interessanten Blog unter dem Namen Rough Type. Er behandelt dort Fragen wie "The amorality of Web 2.0" oder "MySpace's vacancy".

 

 

 

Ergänzung: April 2005

It's a Flat World, After All

Interessanter Artikel in der NY Times, 3. April 2005

THOMAS L. FRIEDMAN schreibt u.a.:
Do you recall ''the IT revolution'' that the business press has been pushing for the last 20 years? Sorry to tell you this, but that was just the prologue. The last 20 years were about forging, sharpening and distributing all the new tools to collaborate and connect. Now the real information revolution is about to begin as all the complementarities among these collaborative tools start to converge. One of those who first called this moment by its real name was Carly Fiorina, the former Hewlett-Packard C.E.O., who in 2004 began to declare in her public speeches that the dot-com boom and bust were just ''the end of the beginning.'' The last 25 years in technology, Fiorina said, have just been ''the warm-up act.'' Now we are going into the main event, she said, ''and by the main event, I mean an era in which technology will truly transform every aspect of business, of government, of society, of life.''

Was er damit meint ist, dass sich seit 1990 eine Reihe von Dingen ereignet haben, die die Welt grundlegend in Richtung Globalisierung von intellektuellen Tätigkeiten verändert haben:

  • 9. Nov.1989 Fall der Berliner Mauer, hat die Welt aus der Spaltung in 2 Teile zu einer einzigen zusammengefügt

  • 9. Aug.1995 Netscape geht an die Börse und startet letztendlich den dot.com boom (einmal durch den Browser, der eine einheitliche Technologie zur Präsentation von Inhalten anbietet, zum anderen durch das Auslösung der Begeisterung für das Internet, die zu einem hektischen Verlegen von Unterseekabeln geführt hat. Diese noch heute nicht genutzten Überkapazitäten haben die Preise für globale Kommunikation so sinken lassen, dass heute ein Telefonat nach Indien so viel kostet wie in die Nachbarstadt. Dies hat dazu geführt, dass die vielen Absolventen indischer Universitäten heute eben nicht mehr das Land verlassen müssen, um für Firmen in USA oder Europa zu arbeiten

  • Das Y2K-Problem, nämlich die Angst vor der Umstellung der internen Computer-Uhren von 99 auf 2000 hat dann in Indien zu einem Boom von Outsourcing-Aktivitäten geführt. Westliche Firmen haben in Indien ihre Computerprogramme umstellen lassen

  • Outsourcing, generell, hat dann dazu geführt, dass mehr und mehr Firmen sich von Aktivitäten zurückgezogen haben, die sie als Randgebiet ihrer Tätigkeit sahen, z.B. die Beschäftigung von Köchen in der Werkskantine eines Industriewerkes

  • Off-Shoring, bedeutet, dass als nächster Schritt viele Aktivitäten in Länder verlagert wurden, wo billiger produziert werden kann

  • Open Source, die Entwicklung von Software in weltweiten Arbeitsgruppen auf unentgeltlicher Basis, großes Beispiel ist Linux, aber es gibt hunderte solcher kolaborativer Projekte. Die Tatsache, dass die Ergebnisse dann kostenlos zur Verfügung stehen und zwar im Quellcode, so dass auf ihrer Grundlage JEDER Weiterentwicklungen durchführen kann, nicht nur ein Konzern, der die Rechte an den Programmen besitzt. Dies erlaubt einem Software-Entwickler in China, bestehende Programme durch seine neuen Ideen weiterzuentwickeln.

  • Insourcing, d.h. Firmen wie UPS übernehmen Aktivitäten innerhalb eines Unternehmens

  • Supply-Chaining. D.h. Firmen entwickeln Systeme, bei denen durch den Verkauf irgendwo in Europa automatisch die Produktion dieses Artikels in China initiiert wird

  • Informing, Informationen der Welt stehen mittels Google und anderen Suchmaschinen jedermann (der einen Internetzugang hat) gleich zur Verfügung. Informationen sind nur noch zum Teil in den Datenbanken der Unternehmen versteckt und gegen Geld abzurufen.

Die Behauptung des Autors ist, dass durch die Kombination dieser Technologien Länder wie Indien und China nun als gleichberechtigte Mitspieler an der Entwicklung der Innovationen der IT mitwirken können, das Spielfeld ist eingeebnet, es gibt (zumindest in der Software-Entwicklung) kein Ost-West Gefälle mehr.

 

 

 

Ergänzung: Oktober 2005

Merely following a Megatrend

Noch ein Artikel in der NY Times, 15. Oktober 2005

Auszüge aus einem Interview mit Nandan M. Nilekani, oberster Boss von Infosys Technologies, dem zweitgrößten Outsourcer in Indien:

Nilekani: What's happening is pretty fundamental. If you go back to the 1830's, India and China were 50 percent of the world's G.D.P., and then they missed the entire revolution of industry. So if you take a long view of this game, it's just part of the process.
Philipp: Das ist für mich ein sehr interessanter Gesichtspunkt, nämlich dass unsere heutige Weltsicht und Verteilung des Reichtums gar nicht unbedingt als natürlich und gottgewollt gesehen werden muss. Zu einer solchen Erkenntnis kommt man übrigens auch, wenn man das sehr interessante Buch "Millenium" von Felipe Fernández-Armesto liest. Er stellt überzeugend dar, dass im letzten Jahrtausend die arabische Kultur erheblich länger dominierend war, als die europäische und dass China nur in den letzten paar Hundert Jahren wirtschaftlich drastisch zurück gefallen ist. Die globale Verteilung des Reichtums, vor 1000 oder auch noch vor 500 Jahren war ganz anders.

NYT: What do you say to people who think that globalization will inevitably harm the United States work force?

Nilekani: Every time Wal-Mart replaces a person at a checkout counter with an automatic machine they're eliminating thousands of jobs. This is one more facet of that, except it's more emotional because instead of a checkout counter machine replacing Steve Smith, some kid in Bangalore is replacing Steve Smith. You can point to that kid and say, "He took my job."

NYT: Does it feel odd to find yourself lecturing Americans on the joys of capitalism?

Nilekani: You guys told us for so many years to cut out this socialist rubbish and go to free markets. We came to free markets and now you're telling us, "Stop, don't come."

 


Philipp Schaumann, http://sicherheitskultur.at/


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